Reform des Bachelor : Da geht was, da fehlt was

Die Kultusminister haben getan, was sie tun konnten - die Bachelorstudiengänge werden durchlüftet. Jetzt müssen die Finanzminister der Länder, aber auch der Bund, ihren Teil beitragen, um die Lehre an den Hochschulen zu verbessern. Werden sie es tun? Die größten Zweifel sind angebracht.

Anja Kühne

"Mehr Luft!“ könnten die letzten Worte eines Bachelorstudenten lauten, bevor er mit rot angelaufenem Kopf auf den Seminartisch sinkt – erstickt an seinem vollgepackten Stundenplan und den nicht enden wollenden Prüfungen. Die Kultusminister haben jetzt die Fenster der Unis aufgerissen, um den Kandidaten wiederzubeleben. Nicht, indem sie revolutionäre neue Beschlüsse gefasst haben. Vielmehr reden sie einfach Klartext mit den für die Studiengänge Verantwortlichen: Nein, anders als von manchen Uni-Präsidenten behauptet, darf ein Bachelorstudium (seit jeher) keinesfalls nur sechs Semester dauern, sondern durchaus auch sieben oder acht! Ja, Freiräume für Auslandssemester oder Praktika sind politisch hoch erwünscht, sogar zwingend einzuplanen. Und, ja, auch die Anerkennung von an anderen Unis erbrachten Leistungen ist großzügig zu gewähren! Nein, anders als in vielen Studiengängen praktiziert muss keineswegs jeder einzelne Kurs abgeprüft werden!

Schon wegen dieser Klarstellung haben sich die Nächte mit dem Schlafsack im Hörsaal, die Straßenblockaden und die vielen Demos für die streikenden Studierenden gelohnt. Der Protest hat bewirkt, dass die Akteure fortan gezwungen sind, dem wirklichen Geist von Bologna zu folgen. Die Professoren, die die Studiengänge planen, die Akkreditierungsagenturen, die sie mit einem Gütesiegel versehen, die Wissenschaftspolitiker – sie alle können sich jetzt nicht mehr aufeinander herausreden und aus Studierenden Stopfgänse machen. Vor den Fakultäten liegt die Arbeit, ihre Bachelorprogramme wenn nötig zu durchlüften. Dazu müssen sie auch nicht warten, bis in den nächsten fünf Jahren wieder die Gutachter der Akkreditierungsagenturen vorbeischauen.

Das Beispiel scheint zu zeigen, dass Bildungsreformen auch kostenneutral möglich sind. Leider trifft das auf die Lehre an den Hochschulen nicht zu. Der Bachelor, auch ein entrümpelter, wird scheitern, wenn nicht endlich deutlich mehr Dozenten an die Hochschulen kommen. Wie sollen Wissenschaftler die Studierenden nach modernen didaktischen Methoden forschend lernen lassen, wenn ihnen 70 Seminarteilnehmer gegenübersitzen? Angesichts der Berge von Klausuren wird man auch den Korrekturaufwand durch Aufgaben des weniger anregenden Typs begrenzen müssen.

Die Kultusminister haben getan, was sie tun konnten. Jetzt müssen die Finanzminister der Länder, aber auch der Bund, ihren Teil beitragen. Werden sie es tun? Die größten Zweifel sind angebracht. Selbst wenn sich die Bundesregierung am Mittwoch beim Bildungsgipfel mit den Ministerpräsidenten durchringen würde, ein Sonderprogramm für die Hochschulen aufzulegen: sein Umfang dürfte doch weit unterhalb der Summe liegen, die notwendig ist.

Experten gehen davon aus, dass jährlich drei Milliarden zusätzlich an die Unis fließen müssten, um auch nur eine akzeptable Grundausstattung mit Personal zu erreichen. Weitere 1,1 Milliarden müssten jährlich hinzukommen, um für den Bachelor eine (bescheidene) Qualitätsverbesserung zu erreichen. Die einmalig nötige Investition von 30 Milliarden Euro für die Sanierung heruntergekommener Uni-Gebäude ist ohnehin utopisch – anders als die von der FDP ertrotzte Steuersenkung. Für die Studierenden ist das eine traurige Pointe.

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