Regieren à la FDP : Das große Liefern kann beginnen

Man stelle sich vor, die Idee von FDP-Chef Rösler würde Wirklichkeit. Parteien und Regierungen, alle liefern: Geistesblitze, Schnapsideen, Routinekram, alles sofort. Bernd Matthies fragt sich, wer den Müll dann wieder abholt.

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Ist schon wieder Weihnachten? Die FDP will liefern - und nicht nur sie. Doch was ist mit der Retour.
Ist schon wieder Weihnachten? Die FDP will liefern - und nicht nur sie. Doch was ist mit der Retour.Foto: dpa

Als es Montag früh vor der Tür ein lautes Gerumpel gab, dachte ich, es sei schon so weit: Die FDP liefert. Irgendwas, was grad gebraucht wird, einen kleinen Steuerfreibetrag für die Garage, mehr Netto vom Brutto oder die verbesserten Fußnoten von Silvana Koch-Mehrins Doktorarbeit. Denn Philipp Rösler hatte schon am Wochenende versprochen, ab sofort zu liefern, aber es war klar, dass das mindestens bis Montag dauert. Schließlich würden die neuen, mitfühlenden Liberalen ihre Leute ja nie am Wochenende rumhetzen, oder?

Na, es war dann doch nur die Müllabfuhr, also ein eher umgekehrter Vorgang, den Rösler sicher nicht gemeint hat: Ab sofort holen wir all die überflüssigen neoliberalen Verpackungsteile wieder ab! Nein, das hat er nicht gesagt. Aber es geht natürlich koalitionsintern schon wieder hin und her. „Liefern muss natürlich immer eine gesamte Regierung zum Wohl der gesamten Bevölkerung“, sagte Merkels Sprecher Seibert am Montag, und das deutet darauf hin, dass aus dem schlanken FDP-Versprechen eine riesige Logistik-Nummer wird. Guten Morgen, mein Name ist Röttgen, ich bin Ihr zuständiger Umweltminister und bringe schon mal das neue Windrad für den Garten, und hätten Sie grad einen Spaten greifbar? Ihr altes Akw nehmen wir auf Wunsch gleich mit!

Das Neue an der Situation liegt darin, dass die Parteien nicht mehr wie früher unhaltbare Versprechungen machen und dann damit in die Opposition verschwinden. Sondern sie liefern, just in time, wie wir heute sagen. Die von der Regierung gefertigten Stücke fahren auf der Autobahn herum, und sobald ein Auftrag eingeht, werden sie, zack, zum Empfänger gebracht. Das wird ein ziemliches Gedrängel, die einen wollen das Elterngeld reinschleppen, die nächsten fragen nach dem Zimmer für die Migrationsbeauftragte, und noch andere schmeißen ein Kopftuchverbot in den Garten oder eine schalltechnisch optimierte Flugroute.

Bundesregierung, Landesregierung, Kommunalparlamente, alle liefern nach Kräften, Geistesblitze, Schnapsideen, Routinekram, alles sofort, damit dem Wutbürger gar nicht erst die Zornesader schwillt. Schwierig wird es allerdings, wenn er nach dem Auspacken unzufrieden ist und den ganzen Kram zurückschicken will, kostenfrei Regierungslager, Berlin.

Und wer hat’s erfunden? Philipp Rösler. Wenn die Aktion allerdings schiefläuft, ist er geliefert.

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