Meinung : Regine Hildebrandt: Kleine Geister

Lorenz Maroldt

Da haben sie es der alten Kodderschnauze aber mal so richtig gezeigt, die Berliner Christdemokraten. Im letzten Moment verhinderten sie, dass die Sozialdemokratin Regine Hildebrandt mit der Louise-Schroeder-Medaille ausgezeichnet wird. Denn diese Ehre soll ja nur Frauen zuteil werden, die sich um Freiheit und Demokratie, soziale Gerechtigkeit und die Gleichstellung von Mann und Frau verdient gemacht haben. Und daran, mal ehrlich, mangelt es der früheren Ministerin ganz offensichtlich. Schließlich war sie in Brandenburg gegen eine Koalition mit der CDU.

Angenommen, die CDU hatte doch gute Gründe, die Ehrung Hildebrandts abzulehnen: Es wäre ihr einfach und geräuschlos möglich gewesen, es gar nicht erst zu einer Kampfabstimmung kommen zu lassen. Aber sie wollten den Eklat, die kleinen Geister, und sie haben ihn bekommen. Leider haben sie beim Versuch, Regine Hildebrandt zu treffen, nicht nur sich selbst entehrt, sondern auch die Stadt Berlin blamiert. Das hätten sie mal lieber bleiben lassen.

Wirklich gute Gründe für ihr Verhalten waren von den CDU-Mitgliedern im Präsidium des Abgeordnetenhauses nicht zu hören. Bemerkenswert auch die Erklärung der Grünen-Abgeordneten, die sich bei der Abstimmung enthielt und damit die Ehrung blockierte. Sie habe Machtspiele zwischen SPD und PDS sowie der CDU auf dem Rücken von Hildebrandt unterbinden wollen. Auch das ist grandios missglückt.

Die Louise-Schroeder-Medaille ist eine Erfindung der Koalitionsfraktionen im Abgeordnetenhaus. Wie oft bei solchen Ehrungen wollen sich die Stifter ein wenig im Glanz der von ihnen Geehrten sonnen. Aber was heißt hier Stifter: Der eigentliche Ehrenmann ist der Regierende Bürgermeister. Er ehrt auf Vorschlag des Abgeordnetenhauses, das sich wiederum eine Findungskommission zugelegt hat, deren Entscheidung das Präsidium bestätigen muss. Drei mal hat Eberhard Diepgen die Medaille bisher verliehen. Er könnte aus der vierten Ehrung eine wahrhaft ehrenvolle Demonstration machen: Er könnte bei dem Vorschlag der Findungskommission bleiben, er könnte sich hinwegsetzen über die Erbärmlichkeiten der landespolitischen Niederungen, er könnte Größe zeigen. Einen neuen Vorschlag sollte Diepgen ablehnen. Aus Prinzip. Vielleicht traut er sich ja.

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