Meinung : Reines Geldverhältnis

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Diese Zeiten sind schrecklich unromantisch. Keine Zeit für Tüdelü, kein Spaß am Tanderadei. Stattdessen: KostenNutzen-Rechnungen bis ins Bett, und gebaggert wird im Fitness-Studio mit Pulskontrolle. Doch muss das so sein? André Brie, der Spitz- und Steildenker der PDS, hat soeben mit seiner Parteifreundin Ingrid das bürgerliche Band der Ehe geknüpft, und wir erfuhren staunend, dass sich das Paar beim gemeinsamen Studium des Kommunistischen Manifests kennen gelernt habe. Das ist ein verflucht langer Text, der bekanntlich schon mit einem Gespenst anfängt und auch hinten lyrisch nichts hergibt. An welcher Stelle mag der Funken übergesprungen sein? Bei der sog. Aufhebung der Familie, wo wir erfahren, der Bourgeois sehe in seiner Frau „ein bloßes Produktionsinstrument“? Hm. Oder dort, wo Karl Marx den Bourgeois-Sozialismus, eine ziemlich PDS-nahe Einrichtung, als systemstabilisierendes Element verdammt? Nein, hier: „Die Bourgeoisie hat dem Familienverhältnis seinen rührend-sentimentalen Schleier abgerissen und es auf ein reines Geldverhältnis zurückgeführt.“ André, wird Ingrid da beim gemeinsamen Studieren geflüstert haben, „was meinst du, was kostet eine richtig nette Hochzeit heutzutage?“ So fing alles an. Kein Wunder, dass das mit dem Kommunismus wohl nie mehr in die Gänge kommt.

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