Meinung : Reißleine ziehen

„Da klappert die deutsche Rhetorik“

vom 9. August

Mit großem Vergnügen habe ich die Analyse der Euro-Krise und die Diskussion möglicher Auswege aus der Sicht eines Historikers gelesen. Viele Aspekte werden einbezogen, die bei der sonst üblichen Betrachtung aus der Sicht von Politik und Ökonomie nicht berücksichtigt werden. An einem wichtigen Punkt übersieht oder verharmlost Geppert die ökonomischen Implikationen seines Vorschlags: Einen „europäischen Lastenausgleich oder Schuldenschnitt“ für die Südstaaten, die er als Voraussetzung für eine weitere positive Entwicklung Europas nennt, würde Deutschland nicht überleben: Wir Deutschen sind inzwischen mit 637 Milliarden Euro für die Südstaaten ins Obligo gegangen. Wenn auch nur die Hälfte davon mit einem Schlage zu echten Verlusten würde, müssten wir einen kompletten Bundeshaushalt für die Abdeckung dieser Verluste verwenden. Da das nicht geht, bliebe nur der Ausweg eines weiter dramatischen Anstiegs der öffentlichen Verschuldung.

Es bleibt die traurige Feststellung:

Euroland steuert mit seiner nicht endenden Euro-Rettungspolitik auf einen Super-GAU zu. Solange wir uns von Frau Merkel mit der Aussage „einschäubeln“ lassen, Griechenland befinde sich „auf einem guten Weg“ und jetzt fehle nur noch ein kleiner, zweistelliger (Milliarden-)Betrag, wird alles nur noch schlimmer. Also: Reißleine ziehen und als Erstes die Griechenland-

Hilfe einstellen. Jedes danach ganz sicherlich notwendig werdende ERP-

Programm für Griechenland wird um Dimensionen billiger als die Fortsetzung der gegenwärtigen Rettungspolitik mit dritten, vierten, fünften und sechsten Hilfsprogrammen.

Prof. Dr. Rainer Knigge,

Berlin-Lichterfelde

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