Religionskrieg : Der Hass erstickt die Hoffnung für Syrien

13.08.2012 16:58 Uhrvon
Der Sturz von Präsident Assad wird sicherlich einen Wendepunkt im Syrien-Konflikt markieren. Er kann ihn aber nicht beenden. Foto: Reuters
Der Sturz von Präsident Assad wird sicherlich einen Wendepunkt im Syrien-Konflikt markieren. Er kann ihn aber nicht beenden. - Foto: Reuters

Update Der Sturz des Assad-Regimes wird oft als Lösung für den Syrien-Konflikt propagiert. Doch in der unterdrückten sunnitischen Mehrheit hat sich ein so gewaltiger Hass aufgestaut, dass niemand für die Zeit danach garantieren kann.

So sehr ist Baschar al Assad in den eineinhalb Jahren seit dem Beginn des Aufstands in Syrien zum Prototyp eines blutigen Tyrannen geworden, dass die Nachricht von seinem nahenden Machtverlust in Washington, Paris oder Berlin eigentlich Freudengesänge provozieren müsste. Doch das Gegenteil ist der Fall. Obwohl sich die Anhaltspunkte dafür häufen, dass die Endphase des Regimes begonnen hat, sind die Sorgen in den westlichen Hauptstädten nicht kleiner, sondern größer geworden.

Mit Zynismus hat das nichts zu tun, mit Vorsorge schon mehr. Denn niemand kann darauf vertrauen, dass ein Sturz Assads oder seine Flucht ins Ausland das Morden beenden wird.

Die moralische Genugtuung über einen Diktatorensturz steht in keinem Verhältnis zu den Risiken, die eine weitere Eskalation des Konflikts für die Syrer, für ihre Nachbarn und auch für Europa heraufbeschwört.

Assad hat alles dafür getan, dass diese Eskalation wahrscheinlich geworden ist. Seine Kompromisslosigkeit und sein brutales Vorgehens gegen das eigene Volk waren und sind nicht nur himmelschreiende Menschenrechtsverletzungen. Sie haben auch jeden Spielraum für einen Ausgleich zwischen den verschiedenen ethnisch-religiösen Gruppen des Landes zunichte gemacht.

Video: UN-Beobachter rügt Gefährdung von Zivilisten

Nun kämpft mit Assad auch die Minderheit der Alawiten, die seinen Sicherheitsapparat kontrolliert, ums Überleben. Und auch die Christen, die das säkulare Regime schützte, sind bedroht. In der unterdrückten sunnitischen Mehrheit hat sich gewaltiger Hass aufgestaut. Kein Mensch kann garantieren, dass das Abschlachten gefangener Assad-Anhänger durch Rebellen nicht den Aufschein eines künftigen Syrien darstellt, eines Syrien freilich, das die Helfer der Aufständischen im Westen nie gewollt haben.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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