Renate Künast : Erst reden, dann denken

Dass die Vorstellung einer grün-schwarzen Koalition auf viele Wähler abschreckend wirken könnte, hat die Kandidatin für das Bürgermeisteramt offenbar nicht bedacht. Das zeigt, wie entrückt die Bundespolitikerin ihrer Basis ist.

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Kämpft sie noch oder gewinnt sie schon? Wohl eher ersteres: In den Umfragen stürzten die Grünen in der Wählergunst spürbar ab.Weitere Bilder anzeigen
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09.09.2011 21:33Kämpft sie noch oder gewinnt sie schon? Wohl eher ersteres: In den Umfragen stürzten die Grünen in der Wählergunst spürbar ab.

Wer auf Sieg spielt, darf keine Option leichtfertig vergeben. Renate Künast, die Spitzenkandidatin der Grünen in Berlin, könnte dieses Motiv getrieben haben, als sie laut darüber nachdachte, in welcher Konstellation sie es zur Regierenden Bürgermeisterin bringen kann. Eine grün-schwarze Koalition in der Hauptstadt nicht auszuschließen, mag für eine Wahlkämpferin klug sein. Bloß nicht wieder in eine Situation wie 2006 kommen, als sich die Grünen der SPD andienten, und sich Klaus Wowereit für die pflegeleichtere Linkspartei entschied. Für Künast, die erkennbar um Vertrauen in der Berliner Wirtschaft wirbt, ist es nur konsequent, sich mit Signalen an die CDU auch um die bürgerliche Klientel der Stadt zu bemühen. In Berlin aber gibt es unter den einfachen Mitgliedern und Wählern immer noch eine so fundamentale Distanz zu den Christdemokraten, dass eine Zusammenarbeit am Senatstisch für viele einem Kulturbruch gleichkäme. Das Strategiespielchen könnte sich deshalb als ein weiterer Fehler erweisen und belegen, wie entrückt die Bundespolitikerin ihrer Basis ist. Wie schon bei Künasts erst hinterher von der Partei zurechtgerückten Äußerungen zum Großflughafen, zur Verbeamtung und Gymnasien könnte es sein, dass die Kandidatin beim Kokettieren mit der CDU als Regierungspartner besser vorher das Gespräch mit ihren Berliner Funktionären gesucht hätte.

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