Meinung : Rente mit 66

Stoiber und die Nachfolge: Neues aus dem Tragödienstadl

Stephan-Andreas Casdorff

ER weiß, was ER zu tun hat – nun spricht er von sich auch noch in der dritten Person. So viel Respekt hat er vor sich und seiner eigenen Leistung: Edmund Stoiber, „Kini“ von Bayern und König aller großen Zauderer. Und doch: Im bayerischen Erbfolgekrieg gibt es – bestenfalls – eine Atempause zu verzeichnen.

Öffentlich. Doch Kuriere sind unterwegs, Papiere auf dem Weg. Wie sagte Monika Hohlmeier, die Tochter von Franz Josef Strauß selig, weiland in bester CSU-Italo-Manier: Über jeden von euch gibt’s was. Vielleicht schaut Stoiber gerade mal in sein Archiv? Aber auch seine Gegner dürfen sich nicht erwischen lassen.

Jetzt will Stoiber noch die Basis heimsuchen; die, bei der er eben erst Abbitte für seine Flucht aus Berlin getan hat. Die Folge: Der Besuch wird in vielen Landstrichen als Drohung empfunden. Hilfe, bloß weg – immer mehr Abgeordnete lassen sich namentlich zitieren, und auch der offenkundig von der Sache überforderte Fraktionschef Joachim Herrmann sagt: Die Spitzenkandidatur ist offen.

Das gilt. Und zwar egal, was die Stoiberianer sagen. Erwin Huber zum Beispiel hält (sich) ja nur so sehr an Stoiber fest, weil er sonst gar keine Chance mehr hätte, dessen Nachfolger zu werden.

Eine Frage von Wochen, nicht mehr von Monaten soll die Nachfolge sein. So viel ist klar, nachdem sich Landtagspräsident Alois Glück geäußert hat. Der ist das Gewissen der Partei, ihr Vermittler; und sei es auch nur, dass er ihm da oben in der Staatskanzlei die Lage da unten, in der CSU, vermittelt. Dazu kommt Peter Ramsauer, Landesgruppenchef in Berlin, eben noch in Treue fest zu Stoiber. Wie sagt der? „Die Dinge ändern sich.“

Was sich geändert hat: Die Partei spricht offen. Das ist schon mal wohltuend gegenüber dem Zustand vorher, wo jeder mit Gemeuchel rechnen musste, der oder die gegen den Chef den Mund aufmachte. Siehe Gabriele Pauli.

Zweitens läuft es anders als in den 90ern bei der christdemokratischen Schwester. Die wurde damals ihren Langzeitregenten auch nicht los, weil der nicht wollte. Die CDU durfte seinerzeit aber nicht debattieren, keiner einen Mucks machen. Dagegen geht es bei der CSU schon beinahe basisdemokratisch zu.

Menschlicher außerdem, weil bei allem unfeinen Geprügel Stoiber immerhin noch die Möglichkeit des ehrenvollen Abgangs hat. Er kann, wenn er es geschickt anstellt, den Zeitpunkt selbst wählen. Der Geburtstag am 28. September wäre nett: Rente mit 66. Und alle kämen, ihn zu feiern.

Die Zeit soll man ihm lassen, sich darauf einzustellen, das Ganze menschlich zu verarbeiten, hat Herrmann gesagt, der Moderator des Tragödienstadls. Himmel, wenn das keine Abschiedsworte sind. Aber immerhin: ER weiß, dass ER eine „Verantwortung weit über seine Zeit, seine Lebenszeit hinaus“ hat. Sagt Stoiber.

So reden Könige vor ihrer Abdankung.

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