Renten : Gerecht geht anders

Im Vergleich zum Jahr 2000 müssen heutige Neurentner Abschläge von gut zehn Prozent hinnehmen.

Martin Gehlen

Gesetze sind das eine, die Lebensrealitäten das andere. Rentenreform – das ist für viele nur ein abstraktes Wort aus der Politsprache. Und eine komplizierte Materie aus Zahlenreihen und Fachchinesisch – Anwartschaften, Eckrentner, Bemessungsgrundlage, Ausfallzeiten und Anspruchshöhen. Wer jedoch in diesen Tagen seinen Abschied aus dem Beruf feiert und seinen ersten Rentenbescheid erhält, reibt sich kräftig die Augen. Im Vergleich zum Jahr 2000 müssen heutige Neurentner Abschläge von gut zehn Prozent hinnehmen, bei Erwerbsunfähigkeitsrenten sind es sogar bis zu 14,5 Prozent. Und das bei durchschnittlichen Nettorenten von 790 Euro im Westen und 836 Euro im Osten.

Der Gesetzgeber hat in den letzten Jahren kräftig an den Stellschrauben der gesetzlichen Rentenkasse gedreht, um diese zentrale soziale Sicherung, wie es so schön heißt, zukunftsfest zu machen. Vor allem Bürger, die vor dem offiziellen Rentenalter von 65, oder demnächst 67 Jahren, in den Ruhestand gehen wollen, müssen inzwischen empfindliche Abschläge in Kauf nehmen. Zwar hat diese Rosskur zulasten der Neurentner die Rentenkassen vorerst stabilisiert. Gleichzeitig aber wirft sie neue Fragen auf. Lohnt es sich noch, ein Leben lang in diese soziale Zwangskasse einzuzahlen, wenn ihre Gegenleistung am Ende immer magerer wird? Wird sich der jetzt einsetzende Verfall des Rentenniveaus fortsetzen? Werden die heute 40-Jährigen am Ende vielleicht nur noch mit der Hälfte des monatlichen Rentenschecks aus dem Jahr 2000 auskommen müssen? Die Stabilität der Rentenkassen ist ein wichtiges Gut. Ihre Leistung muss aber auch in einer glaubwürdigen Relation zur lebenslangen Beitragszahlung bleiben. M.G.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben