Residenzpflicht für Flüchtlinge : Gleich in die Freiwillige Feuerwehr

Eine Residenzpflicht wäre gut für die Flüchtlinge – und auch aus Sicht der einheimischen Bevölkerung vernünftig. Ein Kommentar

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Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin. Sie war unter anderem Chefredakteurin von "impulse".
Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin. Sie war unter anderem Chefredakteurin von "impulse".Foto: Mike Wolff

Zu den Freiheitsrechten demokratischer Gesellschaften gehört die Wahl des Wohnsitzes. Die Regierungskoalition möchte anerkannten Flüchtlingen diese Freiheit verwehren. Sie will sie verpflichten, ein paar Jahre an einem bestimmten Ort zu leben. Das wäre ein fundamentaler Eingriff in die Freiheit des Einzelnen. Dennoch ist er richtig. Denn eine Residenzpflicht wäre gut für die Flüchtlinge – und auch aus Sicht der einheimischen Bevölkerung vernünftig.

Wie in den Vorstädten Frankreichs

Flüchtlinge aufs Land zu schicken sorgt für eine gleichmäßigere Verteilung. Bisher verlässt beispielsweise ein Drittel aller zugewiesenen Flüchtlinge Sachsen-Anhalt unmittelbar nach der Registrierung, Ziel unbekannt. Die Menschen verschwinden, ohne Deutsch zu können, ohne eine Wohnung oder einen Job zu haben. In den Großstädten verschärfen sie den Wettbewerb mit anderen benachteiligten Gruppen um Arbeitsplätze und knappen Wohnraum – so wie es seit Jahrzehnten in den Vorstädten Frankreichs der Fall ist.

Müssten sie dagegen beispielsweise drei Jahre statt wie heute drei Monate an ihrem ersten Aufenthaltsort bleiben, könnte das die Integration befördern – auf beiden Seiten. Die Flüchtlinge selbst müssten sich auf ein Leben in möglicherweise weniger attraktiven Regionen Deutschlands einlassen. Dafür würden sie belohnt: Dort gibt es größere und preiswertere Wohnungen, Familien könnten nachziehen und schneller in ein geregeltes Leben zurückfinden. Nach und nach könnten sie sich um die Jobs bewerben, die es mittlerweile auch in den entlegeneren Gebieten des Landes wieder gibt.

Die Bewohner der Dörfer und Städte wiederum könnten nicht mehr darauf setzen, dass die Neuen schon wieder verschwinden, wenn man sie nur eklig genug behandelt. Zusätzliche Einwohner bedeuten zudem mehr Kaufkraft, und vermieteter Wohnraum bringt mehr Geld ein als Leerstand. Schulen, Betriebe und Geschäfte bleiben erhalten, die Vereine und freiwilligen Feuerwehren bekommen Zuwachs. Wer weiß, dass er sich anpassen muss, tut das in der Regel auch.

Vor 2015 wurde die Debatte um die Residenzpflicht von Politikern bestimmt, die Flüchtlinge und Asylbewerber noch einmal für ihr hartes Schicksal bestrafen wollten. Heute wird sie von denen geführt, die für echte Integration und Akzeptanz werben. Das ist ein Fortschritt.

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