Rezession in Deutschland : Halb so wild

Es sollte stutzig machen, wenn plötzlich alle Fachleute einer Meinung sind – auch jene, die in der Vergangenheit mit ihren Prognosen meist daneben lagen. Womöglich ist die Rezession ein Rezessiönchen.

Carsten Brönstrup

An starken Vokabeln mangelt es in Krisenzeiten nie. Von der „schwersten Rezession seit Jahrzehnten“ orakeln die Ökonomen, von einer „globalen Krise“, die sich durch alle Bereiche der Wirtschaft fresse, die Industriestaaten nach unten ziehe und für mehr Pleiten, Arbeitslosigkeit und Armut sorge. Mag sein, dass sie recht haben. Die Forscher haben einige Argumente auf ihrer Seite: Der Industrie brechen die Aufträge weg, wegen der Finanzkrise knausern die Banken bei der Kreditvergabe, Vermögen lösen sich in Luft auf. Und, dies wiegt am schwersten, alle Wirtschaftszentren der Welt trifft der Abschwung zugleich. Doch es sollte stutzig machen, wenn plötzlich alle Fachleute einer Meinung sind – auch jene, die in der Vergangenheit mit ihren Prognosen meist daneben lagen. Ohne viel Mühe lässt sich aufzählen, was für ein rasches Ende der Krise spricht: In drei Jahren Aufschwung hat die deutsche Wirtschaft fette Reserven angesammelt, ihre Produkte sind spitze. Der Ölpreis ist seit Juli um zwei Drittel gefallen. Viele Staaten stützen nicht nur ihre Banken, sondern auch die Nachfrage mit Milliarden. Womöglich ist die Rezession ein Rezessiönchen. brö

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