Richard Williamson, Britscher Bischof : "Der Holocaust ist eine Lüge"

Ein Porträt des britischen Bischofs Richard Willamson, der den Holocaust für eine Lüge hält. Dieser Umstand sei jedoch kein Grund für eine "Re-Exkommunikation", erklärt ein Vatikansprecher.

Matthias Thibaut
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Foto: dpa

Seit einige seiner Seminaristen vor Begeisterung Videos seiner Interviews auf Youtube veröffentlichten, werden seine straffen Äußerungen weltweit mit fasziniertem Entsetzen weitergereicht. Verquere Ansichten sind seine Spezialität. Hosen, findet der streitbare britische Bischof Richard Williamson, seien eine "Attacke auf das ganze weibliche Geschlecht". Und das World Trade Center wurde nicht von Terroristen in Flugzeugen zerstört, sondern von einheimischen Verschwörern. Und es gab "wahrscheinlich" keine Gaskammern, in denen Juden umgebracht wurden, behauptet er. "Der Holocaust ist eine Lüge, Lüge, Lüge."

Nun macht der Holocaust-Leugner und Antisemit wieder Furore: Nur Tage, nachdem die deutsche Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen seiner Holocaust-Äußerungen Ermittlungen aufnahm, wurden er und seine einst exkommunizierten Glaubensgenossen der erzkatholischen "Bruderschaft Pius X." von Papst Benedikt XVI. wieder in den Schoß der Kirche zurückgeholt. Ein peinliche Koinzidenz, nicht nur für den Papst - sondern auch für Williamsons Glaubensbrüder, die "Lefebvristen"

Seinen britischen Landesgenossen ist der weißhaarige, 68-Jährige ein Rätsel - schon weil er meist im Ausland wirkt. 1971 konvertierte der anglikanische Pfarrersohn zum Katholizismus. Kurz nach dem Literaturstudium in Cambridge begann er in einem College in Ghana zu unterrichten, wo er angeblich den hochbetagten Albert Schweitzer traf. Dann saß er in der Schweiz dem rebellischen Erzbischof Marcel Lefebvre zu Füßen, dem ultrafundamentalistischen Katholiken, der die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils und die Abschaffung der lateinischen Messe ablehnte und sich deshalb mit dem Papst überwarf. Lefebvre provozierte 1988 ein Schisma, eine Kirchenspaltung, als er vier Anhänger gegen den Willen des Papstes zu Bischöfen weihte - einer davon war Williamson. Exkommuniziert, aber überzeugt von seiner Botschaft, missioniert er seitdem überall in der Welt für seine ultrarechte Theologie, zurzeit ist er Theologieprofessor in Argentinien.

Williamsons Ansichten zu Judenverfolgung und Holocaust, so der Vatikansprecher, hätten mit der Aufhebung der Exkommunikation durch Papst Benedikt nichts zu tun. Sie seien "beleidigend und irrig", aber dies sei kein "exkommunikabler Verstoß". "Er ist kein Häretiker, nur ein Lügner".

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