Rick Santorum : Mit Strategie gegen die republikanischen Rivalen

Haben die amerikanischen Medien Rick Santorum unterschätzt? Er möchte Amerikas neuer "Präsident mit Prinzipien" sein und rät dazu, die moderaten Republikaner zu ignorieren.

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Rick Santorum nutzt seine Chance.
Rick Santorum nutzt seine Chance.Foto: AFP

Seit seinem Überraschungserfolg bei der Vorwahl in Iowa in der Nacht zu Mittwoch rätseln die amerikanischen Medien, ob sie Rick Santorum unterschätzt haben. Hat er ein besonderes Gespür, was republikanische Wähler 2012 bewegt? Oder hat er schlicht Glück gehabt? Eine Antwort darauf wird die zweite Vorwahl am Dienstag in New Hampshire geben.

Die Familie des 53-Jährigen stammt aus Italien. Der Vater hat noch im Kohlebergbau in Pennsylvania geschuftet. Rick ist der Erste, der studieren konnte. Er wurde Anwalt und wechselte rasch in die Politik. Mit 36 Jahren wurde er 1994 Senator. Es war ein Wahljahr, in dem die Republikaner die Anfängerfehler des jungen Präsidenten Bill Clinton für einen Erdrutschsieg im Kongress nutzten. Santorum gewann den Senatssitz in Pennsylvania auch dank seines aggressiven und kompromisslosen Stils. Er stellt die Integrität von Konkurrenten infrage, interpretiert Toleranz gegenüber Andersdenkenden als Abweichen von Grundwerten und ihre Kontakte zu Unternehmen, auch wenn sie der regionalen Wirtschaft dienen, als Zeichen für Korruption.

Die Strategie nutzt er jetzt auch gegen republikanische Rivalen. „Ignoriert die moderaten Konservativen, die behaupten, dass nur ein Kandidat der Mitte die Wahl gewinnen kann“, beschwor er die Wähler in Iowa. „Amerika braucht einen Präsidenten, der Prinzipien hat.“ Er zählt ein absolutes Abtreibungsverbot dazu und verweist auf die jüngste Tochter, die behindert ist, aber der Mittelpunkt der Familie sei. Er lehnt rechtliche Zugeständnisse an Homosexuelle ab und sagt, das sei kein Hindernis für einen respektvollen Umgang. Jahrelang hatte er einen schwulen Bürochef. 2006 schien die Zeit für den Santorum-Stil abgelaufen. Er verlor die Wiederwahl und kam auf nur 41 Prozent – blamabel für einen amtierenden Senator.

Bei der Bewerbung ums Weiße Haus 2012 hat er auf Iowa gesetzt. Kein Kandidat hat mehr Zeit dort verbracht und mehr Bürgern die Hand geschüttelt. Er habe das Erfolgsgeheimnis für 2012 entdeckt, sagen seine Fans. Kritiker meinen, er habe schlicht Glück gehabt. Die Mehrheit der Konservativen wolle nicht, dass Mitt Romney, der Favorit, Kandidat werde, weil er zu moderat sei. Nachdem die anderen Bewerber sich durch Affären, Pannen und Versprecher disqualifiziert hatten, blieb nur Santorum. Wenn das stimmt, wird er bald untergehen. Ihm fehlen Geld und Organisation für die nächsten Staaten.

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