Meinung : Rien ne va plus

Robert Hoyzer hat vor allem dem Fußball geschadet. Dafür ist er zu hart bestraft worden

Steffen Hudemann

Ein Richter, der vorsätzlich ein falsches Urteil spricht, macht sich der Rechtsbeugung strafbar. Ein Fußball-Schiedsrichter hingegen, der vorsätzlich falsche Elfmeter pfeift, ist noch kein Straftäter. Weil Robert Hoyzer mit den Manipulationen aber nicht nur Spiel-, sondern auch Wettbetrug beging, hat das Landgericht Berlin ihn zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt. Sollte die Revision erfolglos bleiben, muss der frühere Schiedsrichter ins Gefängnis, genau wie Ante Sapina, der Drahtzieher der Affäre. Die anderen Beteiligten kommen mit Bewährungsstrafen davon.

Das Strafmaß gegen Hoyzer überrascht, denn die Anklage hatte nur eine Bewährungsstrafe beantragt. Doch das Gericht widersprach zu Recht der übertrieben hohen Bedeutung, die der Staatsanwalt dem Geständnis beigemessen hatte. Stattdessen betonte es die belastenden Umstände. Hoyzer habe gewusst, um welche Summen es ging. Und er habe nicht aufgehört, obwohl er auf den Manipulationsverdacht angesprochen worden war. Richtig so, werden viele Fans sagen. Denn aus Sicht des Sports gibt es kaum Schlimmeres, als das Vertrauen in die Unparteilichkeit der Unparteiischen zu gefährden. Hoyzer hat auch seinen ehemaligen Kollegen an der Pfeife geschadet, die es schon ohne den Skandal schwer genug haben. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat dafür eine angemessene Sanktion ausgesprochen. Hoyzer darf nie wieder ein Fußballspiel pfeifen und ist lebenslang aus dem DFB und seinen Vereinen ausgeschlossen worden.

Hoyzer hat sich am Fußball, einem deutschen Heiligtum, vergangen. Doch das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit des Sports zu schützen, ist nicht Aufgabe des Strafrechts. Hoyzers Verhalten war moralisch verwerflich und sein eitles Auftreten im Fernsehen unerträglich. Aber das Gericht urteilt nach Schuld, nicht nach Sympathie. Und zwei Jahre und fünf Monate für einen Ersttäter sind eine harte Strafe. Denn Ante Sapina, Hoyzer und Kumpane waren keine Wettmafia, sie ähnelten eher Versicherungsbetrügern, denen es das System allzu leicht gemacht hat. Ausgerechnet die staatliche Sportwette Oddset, deren Vertreter kürzlich vor dem Bundesverfassungsgericht dafür plädierten, den Spieldrang des Bürgers weiterhin mit Hilfe des Wettmonopols zu „kanalisieren“, hat den Tätern kaum Grenzen gesetzt. Als viele private Wettbüros wegen der hohen Gewinne gegen Ante Sapina längst Spielverbote ausgesprochen hatten, durfte der Zocker bei Oddset noch hohe Beträge setzen. Und der DFB vertraute den Schiedsrichtern leichtgläubig, anstatt sie kritisch zu kontrollieren.

Die Beteiligten haben aus der Affäre gelernt. DFB und Wettbüros sind aufmerksamer geworden. Der nächste betrügerische Schiedsrichter müsste wohl deutlich mehr kriminelle Energie aufwenden. Der Abschreckung, dass Robert Hoyzer ins Gefängnis muss, hätte es dazu nicht mehr bedurft.

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