Meinung : Rinderwahn: BSE-Test auch für zweijährige Schlachtrinder

Nach dem Rinderwahn-Fall einer erst 28 Monate alten Kuh aus Deutschland werden in Deutschland sämtliche Schlachtrinder bereits vom 24. Lebensmonat an auf BSE getestet. Die Senkung des Testalters von bisher 30 Monaten gelte ab sofort, gab die neue Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) am Freitag in Berlin bekannt. Eine Ministeriumssprecherin sagte, der BSE-Befund an einer bayerischen Kuh habe gezeigt, dass BSE auch an jüngeren Rindern nachgewiesen werden könne. Durch die Herabsetzung der Test-Altersgrenze könnten weitere Fälle der Rinderseuche aufgedeckt werden, die sonst unentdeckt blieben. Mit der neuen Verordnung werde daher die Sicherheit für die Verbraucher erhöht.

Die Ministeriumssprecherin räumte ein, dass die BSE-Tests in der Regel erst bei Rindern ab 30 Monaten anschlügen. Die Herabsetzung auf 24 Monate sei deshalb schon eine "sehr große Ausdehnung". Künast will eigenen Angaben zufolge mittelfristig erreichen, dass in Deutschland nur noch BSE-getestetes Fleisch verkauft wird. Schätzungen von Fachleuten zufolge müssen durch die Ausweitung der Testpflicht jährlich rund 300 000 Rinder zusätzlich auf die tödliche Hirnkrankheit getestet werden. Auch EU-Verbraucherkommissar Byrne will das Testalter für Schlachtrinder senken; es liegt seit Jahresbeginn EU-weit bei 30 Monaten.

Deutschland geht mit der Senkung der Altersgrenze über die EU-Regelung hinaus. BSE steht im Verdacht, beim Menschen die tödliche Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auszulösen. Bis Mitte Januar wurden bundesweit mehr als 110 000 Schlachtrinder auf BSE getestet, die meisten aus Bayern. Rund 1000 Rinder sollen von diesem Samstag an in Mücheln in Sachsen-Anhalt wegen eines BSE-Falls getötet werden. Der Krisenstab hatte die Tötung beschlossen, weil eine Infektion weiterer Tiere nicht auszuschließen sei. 1000 Landwirte wollen mit 50 Traktoren gegen die Massenkeulung protestieren.

Hochgerechnet 2,44 Millionen Deutsche sind wegen der BSE-Krise und anderen negativen Nachrichten aus der Lebensmittelproduktion zu Vegetariern gewonnen. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Vier Prozent von 500 Befragten hätten am 25. Januar angegeben, wegen der aktuellen Meldungen kein Fleisch mehr zu essen.

Nach den Worten des Bauernpräsidenten Gerd Sonnleitner gibt es zurzeit keine Alternative zur Vernichtung von rund 400 000 älteren Rindern zur Marktentlastung. Rindfleisch könne derzeit kaum verkauft werden, ein Export sei problematisch, und die Einlagerung mit der Hoffnung auf einen späteren Verkauf mache wenig Sinn. Neue BSE-Verdachtsfälle wurden aus Schleswig-Holstein und Brandenburg gemeldet. Entwarnung gab es dagegen für Verdachtsfälle in Niederbayern, der Oberpfalz und Sachsen.

EU-Agrarkommissar Franz Fischler befürchtet eine Kostenexplosion wegen der BSE-Krise. Dem Südwestrundfunk sagte Fischler am Freitag, es bestehe die Gefahr, dass in Deutschland das so genannte Sicherheitsnetz in Anspruch genommen werden müsse. Das bedeute, dass die EU alles Fleisch von männlichen Rindern aufkaufen müsse. Durch diese Stützungskäufe könnten sich die Kosten der BSE- Krise verdreifachen. Die EU ist verpflichtet, Rindfleisch dann aufzukaufen, wenn der Preis in einem Mitgliedsstaat unter 60 Prozent und EU-weit im Durchschnitt zwei Wochen lang unter 70 Prozent des amtlichen Interventionspreises fällt.

Die UN-Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation FAO forderte am Freitag weltweite Maßnahmen zur Bekämpfung von BSE. Bislang sei die Schweiz das einzige Land außerhalb der EU, in dem ein Rind geboren wurde, das an BSE erkrankt sei, hieß es.

Im Zusammenhang mit dem Schweinemast-Skandal ist unterdessen gegen einen Straubinger Tierarzt Haftbefehl erlassen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Veterinärmediziner vor, im großen Stil in Deutschland und Österreich illegal Medikamente an Landwirte geliefert zu haben.

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