Meinung : Rindfleisch nach Nordkorea: Gut gemeint

m.m.

Ein schöner Tag für Gutmenschen: Über 80 000 Rinder, die der Verbraucher in Deutschland nicht mehr will, werden ans kommunistische Nordkorea verschenkt. Das mag allen gefallen, die eine Verbrennung von Tieren als Frevel ansehen. Der hungernden Bevölkerung hilft es dagegen kaum. Staatsführer Kim Jong Il war schon mit dem Vorhaben gescheitert, mit einer "Kartoffel-Revolution" die Bevölkerung für die vergleichsweise gut gedeihenden Erdäpfel anstelle von Reis zu begeistern. Rindfleisch steht dort erst recht nicht auf dem Speiseplan. Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck hatte die Werbetrommel für das populistische Projekt gerührt. Nach wochenlanger Debatte zwischen Entwicklungshilfe-Experten entschied sich Berlin schließlich für die heißgestrickte Variante: Noch zu Wochenbeginn war von nur 50 000 Rindern die Rede, dann stieg die Liefermenge auf 80 000. Das Welternährungsprogramm der UN, so die deutsche Regierung, sei verantwortlich für die Logistik, doch deren Verantwortliche in Rom widersprachen. Gut gemacht geht anders. Bleibt nur die Hoffnung, dass am Ende nicht doch noch die nordkoreanische Armee die Verteilung des Fleisches übernimmt - und es sich selbst schmecken lässt.

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