Roma in Berlin : Bildung und Arbeit statt Ressentiments

Berlin empört sich: Mit aggressivem Betteln und campierenden Großfamilien verbinden viele den Begriff Roma. Sie könnten genau so gut "Zigeuner" sagen – das Stigma bleibt das gleiche und verhindert jede Integration.

Peter Knobloch

Alle Jahre wieder im Görlitzer Park in Berlin: Großfamilien mit Kindern schlafen unter freiem Himmel. Bezirke und Senat schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu. Und auch in diesem Spätsommer passierte einen Monat lang erst mal gar nichts – bis gestern. Eine der drei Familien aus Rumänien hat jetzt wieder ein Dach über dem Kopf. Von der Stadt kam die Wohnung nicht. Bezeichnenderweise bedankte sich das Familienoberhaupt bei demselben umstrittenen Herrn, der die Familien vor die Tür gesetzt hatte.

Was aber weder die Politik noch die Berliner zu begreifen scheinen: Das Problem ist größer als der Görlitzer Park. Wären die Roma eine einheitliche Nation – und das sind sie in ihrer Vielschichtigkeit mitnichten –, hätten sie die neuntgrößte Bevölkerung in der ganzen Europäischen Union.

Europäisch ist auch das Stigma des „Zigeuners“. Jahrhundertealt ist die Verfolgung, von der „Zigeunerjagd“ bis zum Holocaust. Miserable Hygiene, Lärm und aggressives Betteln sind durch nichts zu entschuldigen. Sie sind aber auch keine ethnischen Eigenschaften. Stereotype schaffen stereotypes Verhalten. Und auffallen tun nur jene, die am Rand der Gesellschaft stehen, in Bukarest wie in Berlin. Denen muss geholfen werden. Sie brauchen Arbeit und Bildung statt Ressentiments. Nur so können sie sich integrieren – in Berlin, Deutschland, Europa.

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