Roman Reusch, Oberstaatsanwalt : "Kriminelle außer Landes schaffen"

Er ist ein Freund deutlicher Worte, deshalb hat er kaum noch Freunde. Roman Reusch ist "Deutschlands mutigster Staatsanwalt" - so titelte die "Bild" und zitierte ihn dann ausführlich mit Empfehlungen wie jener, dass man Kriminelle außer Landes schaffen solle.

Jörn Hasselmann

Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Der 53-Jährige muss gehen, verlautet aus der Berliner Justizverwaltung.

Dabei war Reusch im Kampf gegen Jugendkriminalität ausgesprochen erfolgreich – und zwar mit Härte. „Es gibt nur eine einzige Maßnahme, die sie wirklich beeindrucken könnte, nämlich die Haft“, schreibt Reusch über seine Klientel. Solche Sätze sind scharfer Tobak für alle jene, die seit Jahrzehnten behaupten, dass Haft nur schade. Viele Serientäter lachten jedoch früher nur, wenn ein Richter sie auch nach der 35. Tat mit einem Klaps auf die Hand nach Hause schickte. Früher wussten Staatsanwälte und Richter schlicht nicht, was ein Jugendlicher schon alles auf dem Kerbholz hatte.

Doch 2003 kam Reusch und rief die Abteilung 47 für jugendliche Intensivtäter ins Leben. Seitdem hat jeder der gut 500 Intensivtäter seinen eigenen Staatsanwalt. Bemerkenswert ist – und nichts zeigt deutlicher, dass Reusch richtig liegt –: Die Richter spielten mit. Etwa jeder zweite Intensivtäter sitzt derzeit in Haft, wie selbst Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) vor Tagen nicht umhinkam, zu loben.

Doch Reusch ist Staatsanwalt und damit nicht unabhängig. Sein Vorgesetzter, Chefankläger Andreas Behm, verfolgt im Zweifel eine weiche Linie. Bereits im vergangenen Mai hatte die Justizsenatorin disziplinarische Ermittlungen gegen Reusch eingeleitet, nachdem er sich in einem Interview („U-Haft ist auch ein Erziehungsmittel“) als Hardliner positioniert hatte. Im rot-roten Berlin ist dieser Tonfall, der sonst eher in Hessen oder Bayern vernommen wird, offenbar unerwünscht. Politik und Öffentlichkeit waren schon unruhig geworden, als Reusch sagte, dass 83 Prozent aller Intensivtäter einen „Migrationshintergrund“ haben.

Nun hat die Justizsenatorin Reusch die Versetzung „nahe gelegt“ – und der Oberstaatsanwalt hat entnervt eingewilligt. Denn, so ist zu hören, die Abteilung soll diszipliniert, harmlos gemacht werden. Dass sie in den letzten Jahren zum gefeierten Vorbild für andere Großstädte wurde, ist offenbar egal. Die 500 Berliner Intensivtäter können sich freuen.

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