Rot-Grün in Berlin : Es ist zum Politikverdrossenwerden

Die Berliner Politik ist kleinteilig und stummelig. An einer Autobahn könnte eine Koalition scheitern, gerade so als hätte Berlin keine anderen Sorgen. Und das passiert, wenn Parteien sich wichtiger nehmen als die Stadt.

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Rot-Grün in Berlin ist noch längst keine Liebesbeziehung. Noch ist nichtmal klar, ob daraus eine Koalition wird.
Rot-Grün in Berlin ist noch längst keine Liebesbeziehung. Noch ist nichtmal klar, ob daraus eine Koalition wird.Foto: dapd

Man möchte lachen, wenn es nicht so ernst wäre oder werden könnte, hier in dieser großen, weiten Stadt. Denn so klein mutet die Politik an, so kleinteilig, stummelig geradezu. Weshalb eine Koalition auch an einem Autobahnstummel scheitern könnte. Als hätte Berlin keine anderen Probleme.

Ja, der Verkehr ist auch eines, allerdings ist es eher die furchtbare Anzahl an Baustellen, die den Verkehrsfluss stauen, bis die Wutgefühle sich ihren Weg bahnen. Infrastruktur gehört dazu, Bildung sowieso – wird es wohl mal wieder einen echten Schulsenator geben, der von der Sache etwas versteht? – und, nicht zu vergessen, Integration. Dass Heinz Buschkowsky der einzige Experte auf dem Feld sein soll: krass. Wo so viele darüber reden.

Die Geschichte der Berliner Stadtautobahnen
Januar 2017, Alltag im Berufsverkehr. Die Stadtautobahn, aufgenommen am Spandauer Damm.Weitere Bilder anzeigen
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17.03.2017 08:24Januar 2017, Alltag im Berufsverkehr. Die Stadtautobahn, aufgenommen am Spandauer Damm.

Diese Woche also gilt’s für Rot mit – mit wem eigentlich, nach diesem Wochenende? Es ist eine ernste Sache, was geschieht. Es ist zum Politikerverdrossenwerden. Die Grünen legen sich permanent in einer Weise für und vor Koalitionsverhandlungen fest, dass es schier nicht zu glauben ist. A 100 als Bedingung, vielmehr der Verzicht darauf, das ist nur als Forderung real, in der Umsetzung dagegen irreal.

Sagen wir mal so: Hans-Christian Ströbele wäre das nicht passiert. Wolfgang Wieland auch nicht. Man muss schon wissen, was wirklich wichtig ist; die beiden wüssten es. Sie sagen es nur nicht laut. Aber wichtiger als alles andere ist doch, die Stadt nach vorn zu bringen, oder? Es sei denn, man nimmt sich selbst noch viel wichtiger. Das wäre übrigens auch eine schöne Frage für Sondierungsgespräche.

Zum Schluss mal ein kurzer Blick auf die Bundes-SPD. Der hilft das Gewese in dieser Stadt – der größten Deutschlands, der Hauptstadt, auf die alle blicken, nur zu gerne im Schlechten – ganz und gar nicht. Die Piraten werden beinahe jeden Tag stärker gemacht, als Protestpartei. Klaus Wowereit, der örtliche Chef vons Janze, wird sich doch wohl nicht wegen einer rot-grünen Option irgendwann im Bund jetzt von einer Stimme abhängig machen? So denken schon manche im Bund. Und dass ihr Vize Wowereit hier ist wie Angela Merkel: Er kann alle klein koalieren. Sollen sich dann die anderen drüber schwarzärgern.

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