Rot, Grün, Schwarz, Gelb : Alles fließt

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Bewegte Zeiten. Naturkatastrophen führen zu Atomkatastrophen, und die ziehen politische Tsunamis nach sich. Das Drama von Fukushima verändert gerade die deutsche Politik, doch es ist nicht Ursache, sondern nur Teilchenbeschleuniger. Schon länger wirkende Verschiebungen innerhalb des Parteiensystems sind bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vor einer Woche sichtbar geworden. Die Parteistrategen sind zu neuen Überlegungen gezwungen.

Zum Beispiel in der CDU. Die FDP schwächelt derzeit immens, der Vorsitzende Guido Westerwelle sieht sich gezwungen, sein Führungsamt abzugeben, doch neue Köpfe garantieren noch nicht den Ausweg aus der offenkundigen Krise des engsten Partners der Union. Die Grünen rücken daher in Gedankenspielen innerhalb der Unionsführung an die Stelle der Liberalen, zumal die Ökopartei (zumindest was ihre Wählerschaft betrifft) immer stärker in die politische Mitte tendiert. Das schafft Nähe. Und da die Union sich gerade hurtig von der Atomkraft distanziert und ebenfalls eine Energiewende predigt, verschwindet das Trennende zusehends. Schwarz-Grün nach der Bundestagswahl 2013 – warum nicht?

Aber wollen die Grünen das? Programmatisch stehen sie im progressiven Lager, und damit der SPD näher. Die Landtagswahlen deuten den Umschwung zu Rot-Grün im Bund schon seit einiger Zeit an, kommende Wahlen könnten das noch verstärken. 2013 winkt wieder Rot-Grün, mit einer gestärkten Ökopartei. Warum also sollten die Grünen zur Union hinüberblinzeln? Nun ja, wegen der Linkspartei vielleicht. Rot-Rot-Grün ist aus Sicht der beiden Wunschpartner kein glückliches Konstrukt. Es zu verhindern, fällt als Aufgabe freilich eher den Sozialdemokraten zu. Die müssten sich dafür aber noch weiter nach links orientieren, noch mehr zu den Gewerkschaften hin. Weil eine SPD, die mit den Grünen um die Mitte konkurriert, eben diese Abhängigkeit von der Linkspartei riskiert. Das wiederum könnte die Grünen dann doch zur Union ziehen. So viel zum Thema Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

Aber es sind Spekulationen. Vielleicht beginnt ja an diesem Montag die FDP damit, in ihren Schränken nach progressiven Altklamotten zu kramen. Und wer weiß, plötzlich stehen wir am Bundestagswahlabend 2013 vor der Aussicht, eine rot-grün-gelbe Regierung haben zu können. Wie gesagt, bewegte Zeiten.

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