Meinung : Rote Bete und Kartoffeln

Zur Verschiebung des Wiederaufbaus des Berliner Stadtschlosses

Das Humboldt-Forum ist kein Luxus, sondern wirtschaftliche und kulturelle Notwendigkeit. Wäre das Gebäude in der Heimat von Ramsauer, Schäuble oder Westerwelle zu errichten, dann stände es längst. Den mehrfach teureren, nun wirklich überflüssigen neuen Bahnhof in Stuttgart streicht ja auch keiner.

Dr. Tilman Ulrich, Kleinmachnow

Ich habe mich überzeugen lassen, dass eine Rekonstruktion des Stadtschlosses in Berlins kriegsgeschädigtem Zentrum die beste Lösung ist. Und zwar mit historischer Kuppel. Es gibt nicht nur einen klaren Bundestagsbeschluss und umfängliche Vorarbeiten, sondern auch ein zukunftsweisendes weltoffenes Nutzungskonzept für das Gebäude, das Befürchtungen preußischer Rückwärtsgewandtheit entkräftet. Soll die Hauptstadt auf diesen Imageträger für ein kulturell vielfältiges Land verzichten? Ich würde für das Stadtschloss gerne auf ein paar Kilometer Autobahn verzichten.

Carsten Meyer, Berlin-Prenzlauer Berg

„Deutschlands bedeutendstes Kulturprojekt“, „Schaden für das Ansehen … der Kulturnation", „kulturpolitischer Offenbarungseid“ – macht mal halblang, dürfte der nüchterne Berliner zu diesem Gedröhne sagen. Das Geschlecht der Hohenzollern ist zwar Teil der deutschen Geschichte und sollte daher nicht verschwiegen werden, aber ihre Herrschaft war alles andere als segensreich, so dass kein Anlass besteht, ihr Andenken durch eine Rekonstruktion ihrer Wirkungsstätte auch noch zu ehren.

Peter Koeppe, Berlin-Wannsee

Für die Zwischennutzung des Schlossareals hätte ich einen Vorschlag: Man könnte eine Kleingartenkolonie „Hohenzollernschloss“ anlegen. So eine Anlage in der Mitte einer Großstadt wäre garantiert eine Touristenattraktion. Die noch fertig zu stellende Infobox hätte eine wirkliche Funktion. Man könnte von der Aussichtsterrasse dem Wirken der Kleingärtner zusehen, wie z. B. in einer Parzelle rote Bete für ein Borschtsch-Gericht angebaut werden und in einer anderen Kartoffeln für eine leckere Kartoffelsuppe.

Man sollte auch den Effekt der Selbstversorgung nicht außer Acht lassen, denn wir sind ja mitten in einer Krise. Ältere Berliner, die ja schon einmal Erfahrungen mit dem Gemüseanbau zur Selbstversorgung in City-Nähe gemacht haben, könnten in Informationsveranstaltungen und Workshops wertvolle Erfahrungen weitervermitteln.

Da die Kolonie in der Nähe des Regierungsviertels liegt, könnten sich Vertreter der Parteien mit frischen Gurken versorgen oder es könnte bei gutem Wetter eine Wildsau am Spieß gebraten werden. Anstatt der obligatorischen Gartenzwerge könnten auch Rumpelstilzchen-Figuren das Bild abrunden.

Also Berliner, vereinigt euch in diesem Projekt und lasst es uns angehen!

Konrad Stutz, Berlin-Schöneberg

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