Rückhalt für Uli Hoeneß und Christian Wulff : Freunde gegen den Dreck am Stecken

Kai Diekmann hält Christian Wulff die Stange. Und auch Uli Hoeneß kann sich über allerlei Rückendeckung freuen. Man kann fast annehmen, dass da ein Zusammenhang besteht: Mach dich strafbar, dann mehren sich die Freundschaften. Wie wäre es stattdessen damit, einfach mal den Mund zu halten?

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Zu Tränen gerührt: Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München, kommen bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München die Tränen.
Zu Tränen gerührt: Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München, kommen bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München die...Foto: dpa

Ich habe nichts gegen übermannende Gefühle. In bestimmten Situationen habe ich selber nahe am Wasser gebaut. Bei Abschieden zum Beispiel, und nicht nur bei den endgültigen. Es ist also ganz okay, dass Uli Hoeneß die Gefühle übermannen und er in Tränen ausbricht, wenn sein Volk des FC Bayern ihm zujubelt in diesen selbst verschuldet schweren Zeiten.

Im Moment werden ja einige Männerbünde beschworen. Erst stärkt Franz Beckenbauer dem Hoeneß den Rücken. Aber der hat schon vor Jahrzehnten gesagt, dass niemand gute Freunde trennen kann, er hat das sogar gesungen. Jetzt hat auch der Kollege Karl-Heinz Rummenigge, seit kurzem auch Rolex-Kalle genannt, ein gewichtiges Wort für Hoeneß eingelegt. Noch ein paar andere Herren aus der Vorstandschaft und aus dem Aufsichtsrat sprechen nahezu jeden Tag für Uli Hoeneß. Dieser Schwur auf die Freundschaft kommt schon ein wenig inflationär daher. Und nun ist in Berlin auch noch Kai Diekmann in die Bresche gesprungen, der Herausgeber und Chefredakteur der „Bild“. Allerdings nicht für Uli Hoeneß. Kai Diekmann hält Christian Wulff die Stange.

Einfach mal den Mund halten

Man kann fast annehmen, dass da ein Zusammenhang besteht: Mach dich strafbar, dann mehren sich die Freundschaften, häufen sich die Unterstützer. Hast du Dreck am Stecken, hast du Freunde.

Bei der Hilfe für den früheren Bundespräsidenten wurde sogar der Rubikon überschritten. 22 Verhandlungstage sind natürlich viel, 46 zu vernehmende Zeugen auch. Vergleichsweise gering ist dagegen die Summe, wegen der Wulff vor Gericht steht. Ob Kosten und Ertrag in Einklang zu bringen sind? Eher nicht. Aber Rechtsstaat kostet eben. Was der überraschende Unterstützer auch vergessen hat: Der Christian Wulff hat eigenhändig die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldstrafe abgelehnt. Er rechnet nämlich mit einem Freispruch. Oder sollte der Unterstützer genau den fürchten, weil dann der kleine, stille Rubikon rückwirkend ein Wildwasser werden könnte?

Und wenn in Bayern irgendein bajuwarischer Gruberpratzn die Steuern im großen Stil hinterzieht, wird ihm eben der Prozess gemacht, da kann er sich vom heimischen Klausgraben aus noch so um die bayerische Backzunft verdient gemacht haben. Eigentlich ist das banal, es scheinen nur einige vergessen zu haben. Man muss den Steuersünder ja nicht verdammen, aber vielleicht einfach mal den Mund halten. Die Tränen kommen noch früh genug.

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