Rückrufaktion : Puppe aus Blei

Spielzeug aus China kann gefährlich sein – und bald ist Weihnachten. Wo soll das hinführen? Erst kommt ein Importstopp für Spielzeug, dann für Lebensmittel, bald auch für Medikamente made in China, weil auch hier immer wieder Qualitätsmängel auftauchen?

Maren Peters

Das Vertrauen in Barbie und ihren Freund Ken ist tief erschüttert. Und das nicht erst, seit der US-Hersteller Mattel zum dritten Mal innerhalb von nur fünf Wochen in China produziertes Spielzeug zurückgerufen hat, auch in Deutschland. Der Grund ist immer derselbe: zu viel Blei in der Farbe. Sogar die Salatschüssel der Puppe soll mit dem gefährlichen Schwermetall belastet sein. Bei früheren Rückrufen hatten auch Kleinmagnete eine Rolle gespielt, die von Kindern verschluckt werden können.

Was muss eigentlich noch passieren, damit etwas passiert?

Fest steht: Kinder wollen Barbies. Und Eltern wollen Spielzeug, das sicher ist. Da Hersteller Mattel das offenbar nicht im Komplettpaket liefern kann, müssen andere Lösungen her. Und zwar schnell, schließlich ist das Weihnachtsfest nicht mehr allzu weit entfernt.

Nun könnte man Eltern natürlich empfehlen, künftig ausschließlich Holzspielzeug zu kaufen, aber das würde ihre Kinder nicht wirklich glücklich machen. Von den vielen Bäumen ganz zu schweigen. Und wer sagt denn überhaupt, dass Holzspielzeug nicht auch mit der falschen Farbe lackiert ist?

Eltern zu empfehlen, nur noch teure Produkte zu kaufen, nützt auch nichts. Die Qualitätsprobleme betreffen nämlich nicht nur Plastikschrott, sondern auch teure Barbies. China den Export von Spielzeug ganz zu verbieten, bis das Land nachweislich für die Sicherheit seiner Produkte garantiert, kann ebenfalls keine Lösung sein. Das liegt nicht nur daran, dass inzwischen 80 Prozent der Spielzeuge in China produziert werden. Handelsbeschränkungen wären ein Rückfall in den Protektionismus. Wo soll das hinführen? Erst kommt ein Importstopp für Spielzeug, dann für Lebensmittel, bald auch für Medikamente made in China, weil auch hier immer wieder Qualitätsmängel auftauchen? Die Produktion würde sich nur in andere Billiglohnländer verlagern, es gibt genug davon.

Dass nur Billigprodukte Qualitätsmängel haben, weil in Billiglohnländern produziert wird, stimmt übrigens nicht. Barbie ist nicht gerade ein Schnäppchen. Der Preis kann ratlosen Eltern also auch keine Orientierung bieten.

Was zu fordern bleibt, ist vergleichsweise langweilig: ein einheitliches, verbindliches Sicherheitssiegel, verliehen von einem unabhängigen Spielzeug-Tüv. Ohne so ein Siegel fehlen Kunden auch künftig verlässliche Kriterien beim Barbie-Kauf. Zwar gibt es in der EU für Spielzeug bereits das CE-Siegel, aber das ist freiwillig, und sogar die EU-Kommission stellte gestern in Zweifel, ob „die den Verbrauchern die Informationen gibt, die sie brauchen“. Man muss wissen: Das CE-Siegel dürfen Hersteller sich selbst verleihen. Sie versprechen damit, dass ihre Produkte in Ordnung sind. Das ist ein bisschen so, als würden Autobesitzer sich nach Untersuchung ihres Fahrzeugs selbst die Tüv-Plakette aufs Nummernschild kleben. Nicht sehr überzeugend eben.

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