Meinung : Rückschlag Aufgeputscht Antreten zum Quarktreten!

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Ja, es hat sie gegeben. Menschen, die nach BSE-Krise und Maul- und Klauenseuche und anderen Skandalen umgedacht haben. Es waren Idealisten, die beim Einkaufen tief ins Portemonnaie griffen: für ein Stück Fleisch von einem glücklichen Rind und ein Ei von einem lebensfrohen Huhn. Sie wollten sich und den Tieren (zu deren Lebzeiten) einen Gefallen tun. Keine Massentierhaltung mehr, keine Legebatterien, keine Giftstoffe. Diese Überzeugungstäter ließen das abgepackte Einerlei im Supermarkt liegen, informierten sich über Herkunft, Aufzucht und Fütterung der ausgewählten Speise und polemisierten über diejenigen, die immer noch möglichst viel für möglichst wenig Geld essen wollten. Ja, es waren gute Menschen. Und die fühlen sich heute hinters Licht geführt. Krebserregendes Pflanzenschutzmittel im Futter, das auf Ökohöfen an die ach so glücklichen Tiere verabreicht wird, ist so mit das Widerwärtigste, was Tieren und Verbrauchern angetan werden kann. Das zeigt, dass die Agrarindustrie keine wirksamen Mechanismen gegen die kriminellen Elemente in den eigenen Reihen gefunden hat. Und es zeigt, dass immer noch das schnelle Geld regiert. Viel schlimmer aber ist, dass ein aufstrebender Wirtschaftszweig – die ökologische Produktion von Lebensmitteln – seine Unschuld verloren hat. lha

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Jede Regierung muss über den Schutz ihrer Mitarbeiter in Krisengebieten wachen. Deshalb ist es nur vernünftig, wenn nun Deutschland sein Botschaftspersonal in Pakistan verringert, weil die Gefahr terroristischer Anschläge gestiegen sei. Der Konflikt der beiden Atommächte Indien und Pakistan um Kaschmir ist nicht deshalb besonders gefährlich, weil beide Regierungen auf einen Krieg hinarbeiten würden. Das tun sie nicht. Er beunruhigt die internationale Politik, weil die öffentliche Stimmung in beiden Ländern aufgeputscht ist und die Menschen von ihren Herrschern kein Nachgeben erwarten, sondern Demonstrationen der Stärke – wie die gefährlichen Raketentests der Pakistanis vom Wochenende. Ein Bombenanschlag, ein Überfall auf indische Truppen in Kaschmir könnte diese gefährliche Stimmung jederzeit weiter anheizen. Da ist es ein Hoffnungszeichen, wenn US-Präsident Bush und sein russischer Kollege Putin nun zwischen den Opponenten vermitteln wollen. Gerade weil es zwischen Indien und Pakistan kein Forum für einen Interessenausgleich gibt, haben beide Regierungen Schwierigkeiten, zu einem Ausgleich zu kommen, ohne die Loyalität ihrer Bevölkerung zu verlieren. Kurzfristig geht es darum, die gegenseitige Kriegsdrohung aus der Welt zu schaffen. Ohne eine dauerhafte Lösung für Kaschmir jedoch würde diese Drohung bald wiederkommen. hmt

Heute genügen wir hier mal unserer Informationspflicht. Ecuador zum Beispiel ist 1962 in der Qualifikation zur Fußball-WM gegen Argentinien nach 3:6 und 0:5 ausgeschieden, und der Mexikaner Francisco Cruz hat 1986 an vier Spielen teilgenommen. Interessiert Sie nicht? Muss es aber, denn diese kranke Statistik ist ein fundamentaler Teil jenes Materials, das in den kommenden Wochen wie ein Tsunami über uns hereinbrechen wird. Tsunami ist übrigens japanisch für „sehr große Welle“; wir nähern uns damit dem Zielgebiet, jene Region, in der künftig Ballacks Knie den Ton angeben wird (falls man das so sagen kann). Das von Sebastian Deisler nicht, denn es ist in Colorado fixiert worden. Schluss jetzt! Wir nähern uns den unerträglichsten Wochen des Jahres. Werden Ballkünstlern zubrüllen, deren Persönlichkeitsentwicklung irgendwo im Buddelkasten stecken geblieben ist (siehe auch: Effenberg, Matthäus), werden mit den sog.Spielerfrauen barmen und unter intellektuellen Dribblings stöhnen, etwa, wie wir Zidanes Freistöße als Äquivalent poststrukturalistischer Diskurse im Sinne Derridas zu interpretieren hätten und das Gegentor Kloses als dialektische Aufhebung des Nichtidentischen. Wochenlang getretener Quark! Ja, gut, da ist nichts gegen zu machen. Aber einer musste es wenigstens mal formulieren.

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