Meinung : Rückschlag für Günter G.

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Die gefährlichste Unternehmung im Deutschland von heute ist die Suche des ZDF nach dem „bedeutendsten Deutschen“. Wie gefährlich – das mag ein Detail zeigen: Die letzten Hundert stehen fest, Dieter Bohlen und Daniel Küblböck sind dabei, Günter Grass ist draußen. Das mag zu einem gewissen Teil daran liegen, dass Schnauzbärte und schlechte Laune gegenwärtig einfach nicht dran sind im Land, oder dass der Literaturnobelpreisträger es versäumt hat, rechtzeitig einen kurzen Schottenrock anzuziehen und bei RTL „Born to be wild“ zu kreischen. Eventuell liegt auch ein Versagen seines Fanclubs vor, der zu wenige Stimmen zusammengebracht hat; die Anhänger von DJ Ludwig van B. sind da besser auf Zack. Wo waren wir stehen geblieben? Bei der Gefahr. Es wird nämlich irgendwann zum internationalen Kräftemessen der Nationensieger kommen; die Engländer haben Churchill schon gewählt, die Amerikaner verständigen sich vermutlich auf Abraham Lincoln, die Franzosen auf Charles de Gaulle. Dann wäre es ein wenig pikant, wenn Deutschland ausgerechnet mit Daniel Küblböck ins Rennen gehen würde. Vor allem: Er lebt, die anderen sind schon tot. Das könnte weltweit einen besonders schlechten Eindruck machen.

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