Meinung : Ruhe für Riester

Zu viele Reformansätze schaden der privaten Vorsorge

Heike Jahberg

Vielleicht macht die Riester-Rente doch noch Karriere. Wenn die Regierung weiter an der privaten Altersvorsorge herumdoktert, hätte die staatlich geförderte Privatrente gute Chancen, zum Unwort des Jahres zu werden.

Unbeliebt ist sie schon jetzt: Die Versicherungsvertreter verkaufen Riester-Policen ungern, weil die Provisionen niedrig sind und dann auch noch über zehn Jahre gestreckt werden. Den Verbrauchern ist die RiesterRente zu kompliziert und zu aufwendig. Sie wirkt in etwa so sexy wie Stützstrümpfe. Nur eine kleine Minderheit derjenigen, die die staatliche Förderung in Anspruch nehmen könnten, haben bisher einen Vertrag abgeschlossen. Das Gros der Deutschen sagt: „Riester, nein danke“. Allerdings mit schlechtem Gewissen.

Und das zu Recht. Denn wer die RiesterRente ausschlägt, verschenkt bares Geld. Denn am Vertragsende gibt es garantiert mindestens das wieder heraus, was man über die Jahre eingezahlt hat – und als Extra legt der Staat auch noch die Fördergelder obendrauf.

Statt den Bürgern diese Vorzüge des Riester-Sparens klar und deutlich mitzuteilen, verstricken sich Regierung und Opposition in Aktionismus und Detail-Debatten. Vor der Bundestagswahl versprachen Union und FDP den Verbrauchern im Falle eines Machtwechsels weit reichende Änderungen bei der Riester-Rente. Kürzlich hat auch die Regierung ihre Reformideen vorgelegt. Heute wollen die Verbraucherverbände sagen, was sie von der geplanten Riester-Reform halten.

Und das ist wohl nicht viel. Denn in ihrem unbedingten Wunsch, die Riester-Rente endlich zu einer Erfolgsnummer zu machen, ist die Regierung bereit, wichtige verbraucherpolitische Errungenschaften wie die Streckung der Abschlussprovision zu opfern. Zu Lasten der Kunden, die ihre ersten Prämien dann ausschließlich für die Vertreterprovision zahlen würden. Zugleich soll mit der Riester-Police künftig jedermann auch eine Absicherung für Hinterbliebene und einen Schutz für den Fall seiner Invalidität abschließen – selbst Singles oder Verbraucher, die bereits mit anderen Versicherungen ausreichend geschützt sind. Für die reine Altersvorsorge bliebe dann weniger übrig, die Riester-Rente würde teurer und komplizierter. Dabei bräuchte das Produkt nur eines zum Erfolg: endlich mal ein bisschen Ruhe.

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