Meinung : Ruhe vor dem Streik

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Der Arbeitskampf der Ärzte ist abgeblasen – vorerst. Denn wer nun hofft, in der gerichtlich erzwungenen Wartefrist bis Januar könnte der Tarifkonflikt noch entschärft werden, irrt. Denn ein Ausweg ist derzeit nicht absehbar. Sollten die Manager der kommunalen Krankenhäuser den Medizinern entgegenkommen und ihnen Gehaltsaufschläge gewähren – und das müssen nicht mal die vollen geforderten 30 Prozent sein – fliegt ihnen ihr Laden um die Ohren. Denn Schwestern und Pfleger würden es nicht verstehen, dass sie auf Gehalt verzichten müssen, damit die Mediziner mehr bekommen können. Und das gilt, obwohl den Ärzten von Patienten und Politikern viel Verständnis entgegengebracht wird angesichts ihrer Arbeitszeiten und der im Vergleich mit anderen Ländern schlechten Bezahlung. Außerdem hat die Ärztegewerkschaft Marburger Bund die neunzigprozentige Streikbereitschaft der Kollegen derart oft beschworen, dass ein Rückzieher ohne Gesichtsverlust kaum möglich ist. Der Marburger Bund muss nun erst den Arbeitgebern – aber viel mehr noch den eigenen Mitgliedern – beweisen, dass er tatsächlich einen bundesweiten Arbeitskampf organisieren kann. Danach gibt es vielleicht auch Spielraum für neue Verhandlungen. I.B.

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