Runder Tisch Sexueller Missbrauch : Da fehlt doch wer

Warum ausgerechnet für Migranten kein Stuhl am Runden Tisch Sexueller Missbrauch? Ganz einfach: Weil er eine „Wir“-Veranstaltung der deutschen Gesellschaft ist.

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Man wird sich nichts Böses gedacht haben, und es fiel auch gar nicht auf: Unter den immerhin 61 Köpfen am Runden Tisch Sexueller Missbrauch, der am Freitag zum ersten Mal zusammenkam, findet sich nicht eine Migrantin, nicht ein Vertreter einer türkischen oder arabischen Selbstorganisation oder eines muslimischen Verbandes. Dabei kreist doch die Integrationsdebatte allgemein und noch jedes Islampodium bis in die Bürgerhäuser im tiefsten Mecklenburg-Vorpommern oder Münsterland um kaum etwas anderes als um Sexualmoral und Geschlechterbeziehungen: Zwangsehen, Homophobie, minderjährige Bräute, sexuelle Gewalt. Warum ausgerechnet für Migranten kein Stuhl am Runden Tisch? Ganz einfach: Weil er ausweislich seiner Gästeliste eine „Wir“-Veranstaltung der deutschen Gesellschaft ist und alle ihre Stützen versammelt: Bundesrichter, Abgeordnete, Ministerinnen, Bischöfe, Professoren. Menschen mit türkischen, arabischen, vietnamesischen Namen gehören noch immer nicht zum „Wir“, sie sind „Die“. Und für die haben wir sozialtherapeutische Einrichtungen, die Islamkonferenz oder Integrationsgipfel heißen und deren Tagesordnung „wir“ vorgeben, von oben nach unten. Und die Gastgeberin des Runden Tisches, Ministerin Kristina Schröder, hat ihren politischen Weg auch noch über das Modethema Islam gemacht. Loben wir also noch einmal Ministerpräsident Christian Wulff dafür, dass er die erste türkischstämmige Ministerin berufen hat. Vielleicht braucht es eine Revolution von oben, damit irgendwann auch unten ankommt: „Die“, das sind ja welche von uns! ade

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