Rupert Murdoch : „Ich habe einen Premier nie um etwas gebeten“

Er gilt als der Darth Vader der britischen Medienlandschaft. Nun macht Rupert Murdoch vor einer Untersuchungskommission zur Hacker-Affäre seinem Ruf alle Ehre. Ein Porträt.

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Von dem schwerhörigen Rentner, den Medienmogul Rupert Murdoch jüngst vor dem Medienausschuss des britischen Unterhauses gegeben hatte, war nichts zu sehen. Der 81-Jährige schwor auf die Bibel, saß aufrecht auf der Zeugenbank der Kommission „Ethik, Kultur und Praxis der britischen Presse“ und lieferte einen faszinierenden Abriss über 40 Jahre britischer Mediengeschichte. „Ich habe noch nie einen britischen Premier um etwas gebeten“, zog er Bilanz. Warum auch. „Es ist natürlich, dass Politiker sich um Chefredakteure und Verleger bemühen.“

Am Dienstag hatte Sohn James über Hacker-Affäre, Polizistenbestechung und die von den Murdochs beantragte Totalübernahme des Bezahlfernsehgiganten BSkyB geschliffene Managerklischees geboten. Am Mittwoch zeigte der Alte dann, was in ihm steckt. Margaret Thatcher lud ihn 1981 zum Lunch ins Regierungslandhaus Chequers ein – als die Übernahme der „Times“ durch den Australier anstand. Tony Blair flog nach Australien und bettelte um Murdochs Unterstützung. Mit Gordon Brown debattierte Murdoch über seine schottischen Vorfahren – um dann mit der „Sun“ dessen Regierung fertigzumachen. Denn inzwischen hatte er David Cameron kennengelernt – bei einem Picknick seiner Tochter.

Die Untersuchung begann mit den Hacker-Angriffen auf die Handys Prominenter, dann kamen Vertuschungsversuche und Polizistenbestechung hinzu, jetzt erreichte die Reise in den Dschungel der britischen Medienwelt das „Herz der Dunkelheit“, die Politik. Und damit die Frage: Haben Murdoch und Cameron einen Deal gemacht – Wahlunterstützung von Murdoch für das grüne Licht bei der TV- Übernahme? Beweise gab es in Form von 163 Seiten E-Mails zwischen den Büros von James Murdoch und Kulturminister Jeremy Hunt, der über die Übernahme entscheiden sollte. „Absolut illegal“, brüstete sich Murdochs Berater, als er seinem Boss eine Parlamentsankündigung Hunts vorab mailen konnte. Damit steht wieder eine britische Regierung wegen Machtverfilzung am Pranger.

„Wir werden das Problem der Nähe von Politik und Medien lösen, das uns seit Jahren bedrückt“, versprach Cameron im Unterhaus. Währenddessen plauderte Rupert Murdoch vor der Kommission. Die „Sun“ sei unparteiisch, reflektiere aber seine ideologischen Vorlieben. „Und die Obsession mit Sex und Sensationen?“ Murdoch nach langem Überlegen: „Wir sind nicht perfekt.“Matthias Thibaut

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