Meinung : …Russland

Elke Windisch

über den Versuch, den für tot erklärten Bassajew totzuschweigen Nein, es ist kein Fußballspiel, dem die Moskauer entgegenfiebern. Es ist weder die blonde Kriminalkommissarin Kamenskaja noch ein Star, der öffentlich die Hülle fallen lässt. Es ist eine Enthüllung der besonderen Art: Heute Abend zeigt Privatsender NTW in seinem politischen Wochenmagazin Teile des Interviews, das Russlands meistgesuchter Terrorist, Schamil Bassajew, dem britischen Channel 4 gab. Auf Bassajews Konto gehen fast alle großen Terroranschläge der letzten Jahre, auch das Geiseldrama in der Schule von Beslan Anfang September.

Angekündigt haben die russischen Newsmaker das Medienereignis allerdings als Reportage über die britischen Kollegen. Aus gutem Grund: Laut geltender Gesetzgebung haben Terroristen in hiesigen Medien nichts zu suchen. Wer sich nicht daran hält, kommt vor den Kadi und verliert  Sende- oder Drucklizenz wegen Extremismus-Propaganda.

Mit eben diesem Argument hatte das russische Außenministerium am Donnerstag schon versucht, die Ausstrahlung des Beitrags zu verhindern, und das Foreign Office in London dabei um Amtshilfe gebeten. Der Vorstoß wurde zum peinlichen Eigentor. Zwangsläufig. Wer meint, Medien einen Maulkorb verpassen zu müssen,  kann sich in ungelenkten Demokratien wie der britischen womöglich von der eigenen politischen Karriere verabschieden. Das wiederum können die Russen nicht nachvollziehen. Wie denn auch? In einer gelenkten Demokratie, wie Putin sie zur Staatsräson erklärt, gilt weitgehend wieder Stalins Maxime für Krisenmanagement: Ist der Mensch weg, ist auch das Problem weg. Merkwürdig nur, dass Geheimdienste und Moskaus Soldaten Bassajews nicht habhaft werden können. Obwohl er Journalisten Interviews gab. Schlimmer noch: Bereits mehrfach für tot erklärt, lieferte ein quicklebendiger Bassajew die Dementis mit schöner Regelmäßigkeit durch immer neue Terrorakte.

Da, lästerten die für ihr Schandmaul bekannten Hauptstädter, könne man doch sehen, wer wem im Kaukasus das Gesetz des Handelns aufzwingt. Inzwischen verkündeten Bassajew und der Untergrund-Präsident Aslan Maschadow einen befristeten einseitigen Waffenstillstand. Funktioniert der, kommt das für den Kreml einer Bankrotterklärung der gesamten Tschetschenienpolitik gleich: Damit nämlich würden die Separatisten beweisen,  dass sie, anders als von Moskau behauptet, nach wie vor über ein intaktes, einheitliches Befehlssystem verfügen und ihre Kämpfer unter Kontrolle haben. Das würde sie auch satisfaktionsfähig machen. Für Verhandlungen, die diesem Anspruch wirklich gerecht werden und die Region endlich zur Ruhe kommen lassen.

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