S-Bahn-Chaos : Unter Hochdruck

Klaus Wowereit attackiert Mehdorn - um die derzeitige Bahn-Führung nicht zu brüskieren.

Ralf Schönball

Im Aussitzen von Konflikten ist der Regierende Bürgermeister geübt. Klaus Wowereit reagiert meistens besonnen auf politische Krisen – wenn er überhaupt reagiert. Seine ungewohnt scharfen Angriffe gegen die Bahn zeigen deshalb, wie stark ihm das zweite Berliner S-Bahn-Chaos zusetzt. Aber auch in die Ecke getrieben, bewährt sich Wowereit noch als Taktierer: Er wettert gegen einen Konzernchef, der längst außer Dienst ist, lobt aber im selben Atemzug das Krisenmanagement der neuen S-Bahn-Chefs. Das ist geschickt und verhindert eine Eskalation, die sich im äußersten Fall zu einer S-Bahn-Affäre ausweiten könnte. Damit müsste Wowereits rot-roter Senat wohl rechnen, wenn der genaue Inhalt des Verkehrsvertrages öffentlich würde, den er mit der S-Bahn Berlin unterzeichnete. Damit müsste er bei einer offenen Konfrontation mit der Bahn wohl rechnen. Ein solcher Kurs wäre aber auch aus einem zweiten Grund unklug: Spötter nennen die Bahn einen „SPD-eigenen Betrieb“ – mit einem harten Kurs würde Wowereit deshalb auch Parteifreunde in dem Konzern und im Bundestag brüskieren. Würde das jemand tun, dem politische Ambitionen auf Bundesebene nachgesagt werden? So wird nun mit Hochdruck an der Reparatur dieses Vertrages gearbeitet. Und die Berliner? Sie sind Kummer gewohnt. Deshalb nehmen sie es gelassen, dass ein Verkehrsbetrieb sie aus Profitgier jahrelang mit nicht vorschriftsmäßig gewarteten Bremsen beförderte – und dabei ihr Leben aufs Spiel setzte. ball

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