Sachsen nach Milbradt : Nur noch Ostler im Osten

Mit dem Absprung aus allen Ämtern ist Georg Milbradt als letzter Westdeutscher aus der Riege der Regierungschefs der neuen Bundesländern ausgeschieden.

Wenn sich die Ost-Ministerpräsidenten künftig treffen, können sie ganz unbefangen über DDR-Vergangenes plaudern, und sie werden sich verstehen – denn sie sind unter sich. Nach dem Rückzug Georg Milbradts ist auch der letzte Westdeutsche aus der Riege der Regierungschefs in den neuen Bundesländern ausgeschieden. Zufall oder längst fällige Normalität? Sachsen hatte nie einen Ostdeutschen an der Spitze, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg hatten nie einen Westdeutschen. Gleichwohl wäre es verfehlt, das boomende Sachsen den Wessis Biedenkopf und Milbradt gutzuschreiben und das, nun ja, gelegentlich etwas dümpelnde Brandenburg den Ossis Stolpe und Platzeck anzulasten. Und für Thüringen mit Duchac (Ost), Vogel (West) und Althaus (Ost) vielleicht eine gemischte Bilanz zu ziehen. Viel zu unterschiedlich waren die Ausgangslagen der Länder. Und schließlich wurden auch Westdeutsche aus dem Amt gejagt. Tatsache ist indes, dass mit dem Abschied Milbradts eine Art Zeitenwende eintreten wird: Leute mit Ost-Biografien sind längst hineingewachsen in den Politikbetrieb, auch wenn ihr ganz eigener Stil noch immer erkennbar bleibt – was mitnichten ein Schaden sein muss.

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