Meinung : Sag uns, wo du stehst

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In Sachen Irak-Konflikt wird die Türkei heftig umworben: Sowohl die US-Regierung als auch Saddam Hussein tun alles, um Ankara auf ihre Seite zu bekommen. In den nächsten Wochen werden US-Vize-Präsident Dick Cheney und andere führende Hardliner der amerikanischen Regierung in Ankara erwartet. Irak schickt schon heute seinen Außenminister Naci Sabri zu einer Konferenz europäischer und islamischer Staaten nach Istanbul, um besonders bei den türkischen Gastgebern um Verständnis für seine Haltung zu werben. In einem Brief an Ankara forderte Hussein in den vergangenen Tagen, die Türkei solle sich klar auf die eine oder andere Seite stellen. Wo die Türkei steht, müsste der irakische Staatschef allerdings nur zu gut wissen. Zwar würde die türkische Regierung am liebsten einen neuen Krieg vermeiden, befürchtet bei einem Sturz Saddams ein Auseinanderbrechen des Irak und eine Stärkung des kurdischen Nationalismus. Zudem leidet die Türkei immer noch unter den wirtschaftlichen Auswirkungen des letzten Golf-Krieges. Doch trotz aller Vorbehalte würde das NATO-Mitglied im Kriegsfall wohl sogar mit eigenen Truppen bei einer westlichen Militäraktion mitmischen, schon, um später bei einer Neuordnung des Nachbarlandes mitreden und die Entstehung eines Kurdenstaates im Nordirak verhindern zu können. Ohnehin könnte sich Ankara nur mit Mühe amerikanischen Wünschen entziehen: Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahren ist die Türkei mehr denn je auf amerikanische Hilfe angewiesen.

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