Meinung : Salz auf meine Wunden

Alexander Brenner, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Berlin, antwortet auf die Polemik von Henryk M. Broder

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Henryk M. Broder hat Alexander Brenner in der SonnabendAusgabe des Tagesspiegel Feigheit und Opportunismus vorgeworfen. Brenner hätte die Entscheidung des Kuratoriums, das Mahnmal für die ermordeten Juden trotz Verwendung von Materialien der Firma Degussa weiterzubauen, nicht mittragen dürfen. Degussa war aus der Firma Degesch hervorgegangen, die das Gas Zyklon B für den Holocaust geliefert hatte. Brenner hätte unter Protest das Kuratorium verlassen sollen, verlangte Broder. Foto: Eventpresss / Henry Herrmann

Lieber Henryk,

Du weißt es: Mit Deinem brillanten, bissig-sarkastischen Stil kann ich leider nicht konkurrieren. Was ich bei Dir neu entdecke, das sind die fast sadistischen Untertöne – denn Du schüttest Salz auf meine Wunden und auf meine bereits ramponierte Empfindlichkeit. Und das Schlimme ist: Du hast – leider, leider – größtenteils Recht! Daran ist nicht zu deuteln!

Größtenteils, aber nicht in allem. Du sagst selbst, dass das „Mahnmal eine ehrenwerte Idee gewesen“, dass es aber „nicht machbar“ sei, mit oder ohne Degussa. Nicht einverstanden! Es wäre auch ohne Degussa machbar, und diesen Standpunkt habe ich ohne Wenn und Aber bei der Sitzung des Kuratoriums vertreten. Hast Du Dir schon überlegt, wie viele alte und neue Nazis sowie Judenhasser sich freuen würden, wenn dieses Mahnmal im Zentrum Berlins nicht gebaut werden würde?

Du bezichtigst mich der Feigheit und des Opportunismus. Du kennst mich lange genug, um zu wissen, dass dies nicht ganz stimmt! Nochmals: Ansonsten hast Du leider Recht!

Übrigens: Am bedrückendsten war für mich, während der Sitzung des Mahnmal-Kuratoriums zu erleben, in welch kleiner Minderheit die Gegner der Degussa-Beteiligung waren; es bildete sich eine fast „unheilige Allianz“ der Befürworter!

Herzlichst, Dein Alexander Brenner

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