Saudi-Arabien : Kein König am Meer

König Salman aus Saudi Arabien prasst am Meer. Derweil wartet der Menschenrechtler Raif Badwani auf weitere 950 Stockschläge. Unser Kolumnist Helmut Schümann möchte mal wieder kotzen.

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Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Neuigkeiten aus Saudi-Arabien. Nein, nichts Erfreuliches, Raif Badawi ist immer noch in Haft. Immer noch drohen dem Blogger und Menschenrechtsaktivisten 950 Stockhiebe, nachdem er vor Monaten schon 50 erhalten hat. Auch der neue König Salman hat das Recht nicht vor Gnade gestellt und Raif Badawi freigelassen. Was König Salman getan hat: Er hat bei seinem Amtsantritt vor einem halben Jahr seinen Staatsbediensteten 28 Milliarden Euro geschenkt. Da kann er sich ja nun wirklich nicht mit Einzelschicksalen wie dem des Raif Badawi beschäftigen. Zumal es in Saudi-Arabien jede Menge von Einzelschicksalen gibt, die allesamt gegen die Menschenrechte verstoßen. Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man Saudi-Arabien in Fragen der Menschenrechte als das Nordkorea des Ostens bezeichnet. Mit dem Unterschied, dass wir mit Saudi-Arabien emsig Geschäfte machen und dort munter Fußball spielen. Der König hat also wirklich viel zu tun. Und dann musste er auch noch seinen Urlaub planen. Weil er in Begleitung einer 1000-köpfigen Entourage reist, bedarf es einer umfangreichen Planung.

Ziel war Vallauris in der Nähe von Cannes. Da besitzt die Königsfamilie seit 1979 ein kleines Sommerhäuschen, das „Chateau de l’Horizon“. Eigentlich ist es ein Palast, aber für Salmans Bedürfnisse nachbesserungsbedürftig.

Also ließ er den angrenzenden Strand La Mirandole erst einmal für die Öffentlichkeit sperren. Das ist zwar nach französischem Recht verboten, aber wen kümmert das schon. Auf dem Meer patrouillierten Polizeiboote. Dann ließ er einen Aufzug bauen, damit der König samt Gefolge nicht vom Haus zum Strand laufen muss. Auch ließ er einen Steg zum Meer anlegen, der heiße Sand der Cote d’Azur kann ja auch wirklich brennen. Die Anbauten waren illegal, aber wen kümmert das schon, die Baugenehmigung wurde nachträglich erteilt.

Es hat dann doch jemanden gekümmert. Einfache Bürger haben gegen die Sonderwünsche protestiert und eine Petition unterzeichnet. Als 150 000 Unterschriften vorlagen, reiste der König am vergangenen Sonntag nach nur einer Woche statt geplanten drei mit der Hälfte seiner Entourage wieder ab. Die andere Hälfte folgte später. Das war es dann mit dem hübschen Verdienst für die umliegenden Hotels und Boutiquen. Ob König Salman aus Verärgerung über die Proteste abreiste, ist nicht überliefert. Vielleicht plagte ihn auch das schlechte Gewissen. Oder er will sich um Raif Badawi kümmern.

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