Schachfunktionär Robert von Weizsäcker : "Schach lebt vom Mäzenatentum"

Es geht um Werte wie Glaubwürdigkeit, Integrität und Professionalität: Robert von Weizsäcker will am Mittwoch zum Präsidenten der europäischen Schachunion gewählt werden.

Martin Breutigam
Robert von Weizsäcker.
Robert von Weizsäcker.Foto: dpa

Eigentlich hat Robert von Weizsäcker genug zu tun. Er lehrt als Professor für Volkswirtschaftslehre in München, ist Präsident des Deutschen Schachbundes und in seiner Freizeit spielt er selber das Spiel, das er einst vom Vater, dem früheren Bundespräsidenten, erlernt hat. Zum Beispiel grübelt von Weizsäcker derzeit für das deutsche Fernschach- Nationalteam an zwölf Partien gleichzeitig – „eine subtile Form der Selbstversklavung“. Trotzdem bewirbt er sich am morgigen Mittwoch um ein weiteres Amt: Er will im sibirischen Chanty Mansijsk, wo gerade die 39. Olympischen Schachspiele laufen, zum Präsidenten der europäischen Schachunion (ECU) gewählt werden.

Am selben Tag und am selben Ort will Anatoli Karpow, der frühere Weltmeister, Kirsan Iljumschinow ablösen, den umstrittenen Präsidenten des Weltschachbundes Fide. Karpow hatte die notwendige Nominierung zur Fide-Kandidatur nicht vom eigenen russischen Verband bekommen, sondern vom deutschen Schachbund. Von Weizsäcker war im Gegenzug von Karpow und dessen einstigem Erzrivalen Garry Kasparow, der diesmal sein Verbündeter ist, zur ECU-Kandidatur überredet worden. „Insofern war klar, dass diese Wahlkämpfe eng miteinander verflochten sind“, sagt von Weizsäcker.

Falls er und Karpow gewählt werden sollten, sieht von Weizsäcker drei Themen als Schnittmengen: beim Geldeinwerben von Unternehmen – „was sehr schwer ist, denn Schach lebt nicht von Sponsoren, sondern vom Mäzenatentum. Und das zu verändern, ist ein großes Ziel“; beim Thema Schulschach und dem Versuch, Schach stärker ins Internet zu integrieren.

Vor allem gehe es aber um Werte wie Glaubwürdigkeit, Integrität und Professionalität. Karpow prophezeit, Schach sei tot, wenn Iljumschinow und die Seinen weitere vier Jahre regieren dürften. Er verdächtigt den Amtsinhaber, der seit 17 Jahren auch Präsident der autonomen russischen Republik Kalmückien ist, die Wiederwahl mit Schmiergeldern und Einschüchterungen zu sichern.

Der ECU-Wahlkampf lief vergleichsweise leise. Von Weizsäcker stehen drei Konkurrenten gegenüber: Amtsinhaber Boris Kutin aus Slowenien, der Türke Ali Nihat Yazici und der Bulgare Silvio Danailow. Anders als diese hat von Weizsäcker für die weiteren Präsidiumsposten namhafte Großmeister wie Nigel Short und Johan Hjartarson aufgestellt. „Um zu betonen, um was es eigentlich geht, nämlich um das Schach.“ Martin Breutigam

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben