Meinung : Schade drum

Nicht nur Matschie scheitert bei der Wahl zum SPD-Präsidium

Stephan-Andreas Casdorff

Das ist sie nun also, die neue Führung der Sozialdemokratie – weitgehend sind es die alten Gesichter. Das Signal der Wahl: Verjüngung vertagt, den Osten verprellt.

Zugegeben, Andrea Nahles, die junge Chefin eines der beiden linken Zirkel in der Partei, ist ins Präsidium aufgerückt. Und auch Bärbel Dieckmann ist jetzt als Neue drin, die Bonner Oberbürgermeisterin. Aber dahinter ist keine groß angelegte Strategie zu vermuten. Strategisch gesehen hätte Christoph Matschie, der junge Thüringer, der demnächst auch sein Land führen will, unbedingt ins oberste SPD-Führungsgremium gehört. Harald Schartau, Chef in Nordrhein-Westfalen, ist ja auch aufgerückt, weil er zwei Wahlen vor sich hat. Ansonsten hätte er nicht gewählt werden dürfen, weil in der Spitze damit unverhältnismäßig viele, nämlich drei, aus seinem Sprengel vertreten sind: außer ihm Wolfgang Clement und Dieckmann.

Immer diese Taktik. Nahles ist aufgerückt, weil sie die Linke auf Drängen der ganz Oberen der Partei für Hans Eichel ins Feld geführt hat; Eichel ist wiedergewählt, weil Gerhard Schröder das so wollte. Dieckmann ist für die Kommunen gewählt und weil sie darauf verzichtet hatte, gegen Ute Vogt als Parteivize anzutreten, was auch Clement gefährdet hätte. Das sind schon mal zwei, die belohnt werden mussten. Edelgard Bulmahn kommt aus Kanzlers Heimat und stört nicht weiter.

Eindeutig ist die SPD eine Westpartei. Matschie ist einer der raren Hoffnungsträger für den Osten, neben Matthias Platzeck in Brandenburg. Aber der ist schon Ministerpräsident und kann darum – wie übrigens Eichel als Bundesminister – jederzeit ins Präsidium kommen, um mitzureden. Matschie ist mit tollem Ergebnis daheim als Ministerpräsidenten-Kandidat nominiert – und jetzt in Berlin abgeschmiert. Er wird es schwer haben, gegen den Erfurter Regierungschef Dieter Althaus von der CDU zu argumentieren, wenn der sagt: Nicht einmal seine eigene Partei hält Matschie für einen, der in die Führung gehört. Und dass die Ostdeutschen Schröder nicht wirklich wichtig sind.

So besorgt man den Konkurrenten den Wahlkampf. Das ist verdammt bitter. Und zwar für die nachrückende Generation der SPD insgesamt. Schröder opfert da mit seiner Politik und seiner Art der Parteiführung einen nach dem anderen. Trotzdem ist eines sicher: Die Zukunft gehört anderen. So oder so, in der Partei und im Land.

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