Schadensersatz : Blitzeis in Haiti

37 Millionen Euro verlangt ein Geschäftsmann für einen schmerzhaften Sturz auf dem Eis. Unser Kolumnist Helmut Schümann wartet sehnlich auf den nächsten Eisregen, um freiwillig zu stürzen.

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Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Es gibt keinen Fußballgott. Und wenn doch, so ist er ein verdammter hanseatischer Pfeffersack, so ein maritimer (bitte Stichwort merken!). Wo hätte der arme Karlsruher Spieler, dem der Ball von einem maritimen (!) Hanseaten an den Arm geschossen wurde, hinsollen mit diesem Arm? Nur noch eine Blitz(bitte merken!)-Amputation hätte ihn retten können vor dem falschen Pfiff des Schiedsrichters.

Womit wir (jetzt bitte die Stichworte auspacken), weil ja alles irgendwie zusammenhängt, beim Blitzeis des Hotels Maritim in Tiergarten angekommen wären. Gott, ja, Blitzeis. Wer denkt in diesen Tagen, an denen endlich die Sonne den Tiergarten durchflutet und das Herz aufgeht, als hänge der Himmel voller blau gefärbter Geigen, wer denkt an diesem wundervollen, wundertollen Tag an Blitzeis? Das Landgericht Berlin. Es muss daran denken, weil ein Charlottenburger Geschäftsmann und Projektentwickler es dazu gezwungen hat. Am 20. Jenner 2014 war Blitzeis vom Himmel gefallen, und sowohl der Kolumnist als auch der Projektentwickler waren umgefallen. Der Kolumnist vor dem Zoo, der Projektentwickler vor dem Maritim.

Der Kolumnist lag mit blauem Fleck auf dem Boden und lachte, weil er so dumm war, ausgerechnet am Jubiläumstag aufs Rad zu steigen, um über Blitzeis zu rutschen. Der Projektentwickler lachte nicht, er brach sich ein Bein.

Das soll jetzt nach dem Willen des Projektleiters 37 Millionen Euro wert sein, zu zahlen vom Hotel. Ihm sei nämlich durch Sturz und Operation ein Millionengeschäft in Asien durch die Lappen gegangen – es hängt eben alles irgendwie zusammen. Der Kolumnistenkollege hat daraufhin schon mal im Archiv geblättert, den Ex-Regierenden Wowereit mit dem aus dem Jahr 2001 stammenden und zutreffenden Satz zitiert „Wir sind hier nicht in Haiti!“ und sich im Falle einer erfolgreichen Klage des Projektleiters vorsorglich angemeldet im Maritim für die freiwillige Teilnahme an der nächsten Blitzeisaktion. Die wird wohl angesichts des nun anstehenden rauschhaften Sommers noch etwas auf sich warten lassen, zu prophezeien ist aber schon heute, dass der Kolumnistenkollege nicht alleine sein wird bei seinem Sprung für den Schadenersatz und es ein ziemliches Gedränge geben wird vor dem Maritim. Noch ein Vorschlag zur Güte, falls das Blitzeis abgeschafft wird durch die Klimaerwärmung. Könnte man dann nicht die Feuerwehr bitten, am 20. Jenner 2016 mit einem Spritzenwagen für den nötigen Untergrund zu sorgen?

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