Schäfer Heinrich : "Bettenmachen ist nichts für Bauern"

Ein singender Bauer stürmt die Charts. Eigentlich wollte er nur die große Liebe finden.

Sonja Pohlmann
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Foto: ddp

Dass ein Bauer die Charts stürmt, ist bisher noch nicht oft vorgekommen. Schäfer Heinrich soll das jetzt ändern – mit seinem „Schäferlied“. Seit Freitag ist die Single im Handel, die Plattenfirma EMI Music hofft, dass künftig ganz Deutschland singt: „Frohen Sinn und heiteres Leben ist von lauter Lust umgeben. Gebe meinen Hut und Stab nicht für Kron’ und Zepter ab.“

Wohl ohne zu wissen, wie ihm geschieht, ist Bauer Heinrich damit Teil der Vermarktungsmaschine von RTL und EMI geworden. Eigentlich hatte sich der 41-Jährige bei der RTL-Kuppelshow „Bauer sucht Frau“ beworben, um die große Liebe zu finden und nicht mehr allein mit Mutter Johanna, 260 Schafen und 100 Enten auf dem Hof zu leben. 8,6 Millionen Zuschauer schalteten zuletzt am Montagabend ein, um den gemütlichen Getreidewirt Georg, Hühnerwirt Hansi und Schäfer Heinrich bei Annäherungsversuchen mit ihren auserwählten Damen zu erleben.

Zwischen Anja und Heinrich funkte es nicht wirklich. Er konnte nicht verstehen, dass sie die Rinde vom Brot schnitt, fand angeblich, dass sie „müffelte“. Sie verzog peinlich berührt das Gesicht, wenn Heinrich bei Hof- und Schützen festen mit schräger Stimme sein „Schäferlied“ anstimmte.

Heinrich störte das nicht. Schließlich singt er das „Schäferlied“ seit seiner Kindheit. Ausgedacht hat sich sein Vater die 16 Zeilen plus Refrain „Oh, oh, so und so, bei uns Schäfern ist das so“. Gleich in der ersten Folge hatte RTL Landwirt Heinrich singend beim sogenannten Hoffest gezeigt. Für den Sender sind Bauern wie er ein Glücksfall. Sie erzeugen beim Zuschauer ein Gefühl zwischen Fremdschämen und Mitleid – eine Mischung, die viele süchtig macht. Die Zuschauer sind einerseits fasziniert, wie ein so schräg singender, fernab der MTV-Welt lebender Bauer je eine Städterin für sich begeistern will. Andererseits dürfte es Heinrichs Authentizität und scheinbare Gleichgültigkeit über die Meinung anderer Menschen sein, die ihn zu einem der beliebtesten Kandidaten der Serie macht. Das „Schäferlied“ transportiert einen Teil dieser Haltung, die sich viele Menschen vielleicht für sich selbst wünschen und umso lauter mitgrölen. Schon jetzt ist Heinrich bundesweit bei Dorffesten und von Diskotheken gebucht. Wenn er durch RTL schon nicht die große Liebe gefunden hat, dann wenigstens ein wenig mehr Geld. Bis vor kurzem mussten er und seine Mutter mit nur zehn Euro pro Tag auskommen. Sonja Pohlmann

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