Meinung : Schall und Rauch

Berichterstattung zu den Berliner

Flughäfen

Dass vom Fluglärm in Schönefeld 1,5 Millionen Menschen betroffen sein

werden, wie die Friedrichshagener Bürgerinitiative behauptet, ist übertrieben. Lärmbelästigt sind immer nur die Anwohner in den letzten zehn Kilometern der Einflugschneisen. Die höher fliegenden Flugzeuge stören kaum. Zum Beispiel sieht man an den Tegeler Seeterrassen die Flugzeuge in die Höhe aufsteigen, ihr Lärm aber ist nicht von den

Umgebungsgeräuschen abzugrenzen. Ich bin in Friedenau in der Einflugschneise von Tempelhof aufgewachsen. Als Junge bin ich oft aufs Dach unseres Hauses gestiegen, um die direkt über meinem Kopf donnernden Turboprops anzuschauen. Jetzt wohne ich seit 1979

1,5 Kilometer vom Flughafen Tegel entfernt, höre Fluggeräusche und rieche je nach Windrichtung Kerosin.

Dennoch halte ich es für wünschenswert und sinnvoll, neben dem neuen Flughafen auch Tegel weiter zu betreiben. Die von beiden Flughäfen zusammen bereitgestellten Kapazitäten

sind unserer Hauptstadt angemessen und notwendig.

Hartmut Mehdorn hat recht, dass man die Situation nach dem Heute beurteilen soll. Wo ein politischer Wille ist, ist sicher auch ein Weg. Die Entwidmung Tegels lässt sich widerrufen und im Landesentwicklungsplan wird man Fehler finden können, die auf Umwegen den gewünschten Doppelbetrieb ermöglichen. Hoffentlich wird dem diesbezüglich deutlichen Mehrheitswillen der Berliner gefolgt.

Thomas Scholz,

Berlin-Tegel

Herr Mehdorn hat ausnahmsweise mal recht: TXL muss unbedingt offenbleiben – die Kapazitäten von BER würden jetzt schon nicht ausreichen, und der Betrieb von BER ist zu unsicher (Brandschutz, Flugrouten, Lärmschutz) – Tegel funktioniert! Das Land Berlin darf sich in dieser Frage nicht von wackeligen Brandenburger Landeiern abhängig machen, das sieht man schon am Schönefelder Taxistreit und der Diskussion um das Nachtflugverbot. Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor in Berlin!

Andere Großstädte dieser Größe haben ebenfalls mehrere Flughäfen – und aus gutem Grund auch mehrere Bahnhöfe, Binnenhäfen, Kraftwerke etc. Eine vernünftige Bahnverbindung zum BER wird auch in zehn Jahren noch nicht fertig sein, und die Autobahn von Schönefeld in die Innenstadt ist jetzt schon häufig wegen Überlastung gesperrt (Tunnel). Außerdem könnte man sich den Neubau des Regierungsflughafens sparen, der schon jetzt über 300 Mio. Euro kosten soll, obwohl man noch gar nicht richtig angefangen hat. TXL – ja bitte!

Thomas Bausch, Berlin-Hansaviertel

Herr Wowereit und Herr Mehdorn finden Tegel wieder erhaltenswert . Darin liegt das Zugeständnis, dass der milliardenschwere Flughafen BER von vornherein ein Schrottflughafen ist: Zu klein, zu weit entfernt von allem (Berlin West). Darin liegt die verblüffende Erkenntnis, dass der Flughafen Tegel urplötzlich kein Schrottflughafen mehr ist – ein Attribut, das ihm ewig anhing: nicht hauptstadtkompatibel, nicht repräsentativ genug, zu billig, zu gebastelt, zu provisorisch. Als kleines, kostengünstiges, praktisches Provisorium für Westberlin war er dereinst von den damaligen Architekturstudenten von Gerkan und Marg entworfen und dann, berlintypisch, als Torso – zur Hälfte – errichtet worden.

Darin liegt ein noch unverhohlenerer Zynismus, wenn man bedenkt, dass wegen der unbeabsichtigt beabsichtigten Verzögerungen und unverantwortlichen Kostenexplosionen des BER der andere so lange als ungenügend abqualifizierte und auf einmal „ins Spiel gebrachte“ Flughafen TXL ebenfalls nun enorme Zusatzkosten verschlingt. Als würde er nicht weiterhin enorme Geldsummen verschlingen, wenn er weiterhin in Betrieb gehalten wird. Darin liegt der Gipfel des Zynismus, wenn man bedenkt, wie erbittert südwestlich von Berlin um Flugrouten gestritten wird, durch Wutbürger, denen man anderes als die jetzigen Flugrouten versprochen hatte, Wutbürger, die nicht zu den Geringverdienern gehören und denen man wohl deshalb Gehör schenkt.

In dieser gefühlsduseligen Zeit wird indes vergessen, dass Berlins Einwohnerzahl seit Jahren immens wächst, dass Raum in der Stadt zusehends knapp wird. Und wenn nicht neuer Raum hinzukommt, sehen wir nicht nur einer Kostenexplosion für Mieten und generell einer Verknappung von Wohnraum entgegen, sondern auch einer Verknappung von dringend benötigten Flächen für neu anzusiedelndes Gewerbe. All dies – neuer Wohnraum und Gewerbeansiedlungen – ist für die frei werdende Fläche des Flughafens Tegel vorgesehen, eine der wenigen weisen Planungen für Berlins zukünftige Stadtentwicklung.

Martin Kaltwasser,

Berlin-Hansaviertel

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