Meinung : Schatten über Mini-Manhattan

„Gedeckelte Stadt“ vom 12. April

Berlin ist leider über Jahrzehnte hinweg von Minderwertigkeitskomplexen verfolgt gewesen. Man möchte wie New York oder London sein, pulsierende Metropole, elegant wie Paris oder wenigstens an die „Goldenen Zwanziger“ anknüpfen. 23 Jahre nach der Wende ist Berlin zwar wieder Metropole, aber um in der ersten Metropolen-Liga mitspielen zu können, fehlt doch noch einiges! Jetzt müssen also Hochhäuser her, damit Berlin noch attraktiver wird. Auch Herr Schaper ist dieser Meinung, glorifiziert sie als „Leuchttürme“, als „Krone“ einer Stadt, die „die Sonne einfangen“. Über diesen vielen Superlativen wird aber vergessen, dass Hochhäuser auch lange Schatten werfen: Schatten der Beliebigkeit, der Monotonie und der gesichtslosen Mittelmäßigkeit.

Ich freue mich immer wieder auf Berlin – so wie es jetzt ist. Der Ausblick auf diese Stadt, ihre großzügige Weite, das Suchen nach vertrauten Orientierungspunkten, das macht Berlin einzigartig.

Eberhard Wolff, Meiningen

Das Bild mit dem Mini-Manhattan auf dem Alexanderplatz könnte nicht eindrucksvoller den Berliner Irrweg zeigen. Die Hochhäuser kann wohl nur der gut, notwendig und lebensbejahend finden, der daran verdient. Warum fragt man nicht die Bürger, ob sie Hochhäuser in ihrer Stadt haben wollen? Stimmann hatte mit seiner Traufhöhe Charakter und eine feste Vorstellung von einer lebenswerten Stadt bewiesen. Warum orientiert man sich nicht an Paris, wo aus eben diesen Gründen vor 30 Jahren Hochhäuser verboten wurden?

Siegfried Spolwig, Berlin-Hansaviertel

Dem Kommentar von Rüdiger Schaper kann ich nicht zustimmen. Wir haben in Berlin einen Flair, den man erhalten sollte. Die Kolumne „Ich bin ein Berliner“ zeigt doch, was die Berliner schätzen. Ob es der Bäckermeister ist oder die Studentin. Alle finden in Bodenständigkeit ihre Freude. Herrn Stimmann sei Dank, dass er sich für die verbindliche Traufhöhe eingesetzt hat. Die Friedrichstraße hat so ihre akzeptable Gestalt gefunden. Die „Höhenluft“ tut nur dem Investor gut. Sollte das Hotel „Park Inn“ erhalten bleiben, so wäre der neue Wohnturm möglich, wenn er in Architektur und Höhe mit dem „Park Inn“ harmonisieren würde. Das Zoofenster und das Beisheim Center sind Glücksfälle.

Die Verdichtung am Potsdamer Platz ist wohnlicher als ein einsamer Wolkenkratzer. Diese Solitär-Hochhäuser sind Querschläger der Architektur und verfehlen die besondere Nutzwirkung, die in Schönheit, Harmonie und Sozialem besteht. Welchen Sinn soll das geben, wenn eine Familie im 50. Stockwerk eine Wohnung bezieht? Soll auf dem Dach ein Spielplatz für die Kinder hergerichtet werden? Falls Berlin keinen Platz für neue Wohnungen finden kann, dann könnte man an eine Tandem-Großstadt im „Speckgürtel“ der Stadt denken, womit man der Ausdehnung zu riesigen Metropolen einen Riegel vorschieben würde. Zum Schluss: „Das Haus gestaltet die Ehefrau schön, die Heimat der Staat.“

Dr. Gerhard Tüns, Berlin-Lichterfelde

Weniger kann mehr sein! Das trifft wohl auch für den Berliner Alexanderplatz zu. Berlin braucht dort zwar eine „Stadtkrone“ (Skyline) aus echten Hochhäusern (mind. 150 m hoch); aber müssen es gleich zehn „Kronjuwelen“ sein? Jeht’s nich’ ’ne Numma kleena? Am Alex kann man sicherlich auf drei Hochhäuser verzichten, ohne dass dessen wesentliche Qualität als zentraler Platz der City-Ost verloren ginge. Im Gegenteil: Der Alex würde erheblich an „urbaner“ Aufenthaltsqualität gewinnen. Die von Herrn Kollhoff westlich der Alexanderstraße geplante Barriere aus drei Hochhäusern engt den Platz unnötig ein und schneidet den nördlichen Platzbereich vom zentralen Platzbereich ab. Diese drei Hochhäuser (mit ihren breit angelegten Sockelbauten im Retro-Stil des letzten Jahrhunderts) erscheinen mir aus städtebaulicher Sicht nicht nur als entbehrlich, sondern auch als schädlich. Wenn schon einen neuen Masterplan für den Alex, dann eher einen deutlich „abgespeckten“.

Fred Hagemeister, Berlin-Westend

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