Meinung : Schattenreich

Maren Peters

Die US-Autorin Barbara Ehrenreich schlug sich für den Bestseller „Working poor – Arm trotz Arbeit“ als Kellnerin, Putzfrau und Fabrikarbeiterin durch. Nun wirft sie sich in den Businessanzug, mischt sich unter die Mittelklasse-Arbeitslosen und geht als PR-Fachfrau auf Jobsuche. Ein Jahr und etliche Bewerbungen, Persönlichkeitsberatungen und Jobmessen später steht sie so ratlos da wie am Anfang, ist um tausende Dollars ärmer und um viele schlechte Erfahrungen reicher.

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Doch während sich Ehrenreich nach dem missglückten Experiment in ihre reale Existenz zurückflüchten kann, bleiben Leidensgenossen wie der 52-jährige IT-Experte John oder die 45-jährige Kommunikationsexpertin Hillary in der Trostlosigkeit zurück. Obwohl gut qualifiziert, sind sie gezwungen, als Wal-Mart-Verkäufer oder Putzfrau zu arbeiten. Für acht Dollar die Stunde, ohne Sozialversicherung. Ehrenreich beschreibt die harte Welt des US-Kapitalismus und die dubiose Industrie der Helfer, die im Schatten der Arbeitslosigkeit prächtig gedeiht. Ein Buch, bitter in der Erkenntnis – und aufschlussreich in der Analyse.

Barbara Ehrenreich: Qualifiziert und arbeitslos. Aus dem Amerikan. von G. Gockel und S. Schuhmacher. Antje Kunstmann, München. 240 S., 19,90 €.

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