Meinung : Schaun wir mal, was geht

Von Gerd Appenzeller

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Norbert Röttgen bleibt, was er ist. Das ist die knappe Schlussbilanz eines spannenden politischen Einakters. Dessen Thema lautete: Wir testen aus, was geht. Das einfache Abgeordnetenmandat, selbst in Kombination mit dem verantwortungsvollen Amt des Parlamentarischen Geschäftsführers, war dem hochtalentierten Norbert Röttgen nicht Aufgabe genug, nachdem ihn Angela Merkel vor allem aus Gründen der innerparteilichen Machtbalance nicht ins Kanzleramt geholt hatte. Also nahm der 41-Jährige das Angebot des mächtigen Bundesverbandes der deutschen Industrie, BDI, an, dessen Hauptgeschäftsführer zu werden.

Dass er dieser Aufgabe, in der Nachfolge des einflussreichen Ludolf von Wartenberg, gewachsen sein würde, galt als sicher. Dass er Abgeordneter bleiben wollte, verstand niemand, außer ihm selbst vielleicht und, anfangs, dem BDI-Präsidenten Jürgen Thumann. Röttgen wollte den Kontakt zur Politik nicht verlieren, Thumann fand die Kombination vermutlich reizvoll. Die Chance des direkten Durchgriffs hatte ja aus seiner Sicht auch durchaus Charme. Wer sich freilich erinnert, wie geschickt, aber mit nie erlahmender Zähigkeit von Wartenberg die Interessen des BDI verfocht, dem musste klar sein, dass die Ämterkombination nicht gut gehen konnte. Und Wartenberg hatte 1990 wohlweislich nicht mehr für den Bundestag kandidiert.

Röttgen hat sich jetzt nicht nur für die Politik, er hat sich auch für die Zukunft entschieden. Hätte er sein Mandat niedergelegt, wäre eine spätere Rückkehr ins Parlament kaum möglich gewesen. Das nächste Vierteljahrhundert Verbandsgeschäfte besorgen, das wollte er vermutlich nicht. Und gelernt hat er bei diesem Einakter vermutlich auch etwas – was geht und was nicht geht. Überraschend ist daran eigentlich nur, dass er das wirklich nicht schon vorher gewusst haben sollte.

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