Schauspielerin Alexandra Neldel : "Man muss ja nicht alles selbst erlebt haben"

Alexandra Neldel übernimmt für Sat.1 die Rolle der Freifrau Stephanie zu Guttenberg. Stoff für ein Drehbuch bietet das ehemalige "Shootingpaar" der Berliner Polit-Promi-Szene genug. Der Sender will aus den Guttenbergs aber kein "Biopic" machen, sondern eine Satire.

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Schauspielerin Alexandra Neldel weiß, wo die Streitaxt hängt - wie sie in der Romanverfilmung "Die Wanderhure" bewiesen hat.
Schauspielerin Alexandra Neldel weiß, wo die Streitaxt hängt - wie sie in der Romanverfilmung "Die Wanderhure" bewiesen hat.Foto: dpa

Für eine erfolgreiche Karriere kann einer ehrgeizigen Schauspielerin kein Weg zu weit sein. Also verwandelt sich die „Wanderhure“ in eine Wanderpredigerin. Alexandra Neldel, überaus erfolgreich in den zwei Teilen der Verfilmung des Mittelalterepos, übernimmt die Rolle von Stephanie zu Guttenberg. Die Freifrau ist die Ehefrau von Karl-Theodor zu Guttenberg, Ex-CSU-Politiker, Ex-Verteidigungsminister, Ex-Doktor.

Das Paar war „heiß“ im politischen Berlin, glamourös in der biederen Politszene. Stephanie zu Guttenberg war die erste deutsche Ministergattin, die ihren Mann in ein Krisengebiet mit deutschem Militäreinsatz begleitete. Beifall für den Afghanistaneinsatz von der „Bild“, „Shootingstar“ Guttenberg resultierte aus dem „Shootingpaar“ Guttenberg. Dann kamen Plagiatsvorwürfe, zum raschen Aufstieg der schnelle Fall, die Familie ging in die USA. Wahrlich ein Stoff zum Nacherzählen. Nico Hofmann, Produzent für Zeitgeschichte und Zeitgenossen („Mogadischu“, „Rommel“, „Dutschke“), sicherte sich Rechte und fand in Sat.1 einen interessierten Sender, beide zusammen fanden die fiktive Adelige.

„Hinter jeder erfolgreichen Männerkarriere steckt eine intelligente, starke Frau – da hat Alexandra Neldel genau die richtige Figurentiefe“, sieht Hofmann eine besondere Nähe. Die Schauspielerin, wie Guttenberg 1976 geboren, hat auf jeden Fall ein Gespür für Rollen. Die Lisa Plenske in der Sat.1-Telenovela – hässliches Entlein wird Schwan und findet Prinz – machte sie populär. Der TV-Konfektion entzog sie sich mit Bedacht, aus Serien- wurden Hauptfiguren. Mal war sie Kommissarin, mal die Erfinderin Lena Barkow im Dreiteiler „Die Rebellin“. Neldel sagt, „man muss ja nicht alles selbst erlebt haben, was man spielt“, trotzdem sich ihre Rollen in einen Kanon fügen: Selbstständige, willensstarke Frauen, die Widerstände nicht scheuen und als „Wanderhure“ wissen, wo die Streitaxt hängt.

Stephanie zu Guttenberg kämpft auch, als Präsidentin des Vereins „Innocence in Danger Sektion Deutschland“ gegen Kindesmissbrauch. Dabei ist sie in der Wahl ihrer Mittel wie beim Engagement an der fragwürdigen RTL-2-Sendung „Tatort Internet“ wenig zimperlich und so präsent, als sei sie nie in die USA gegangen. Sat.1 will aus den Guttenbergs aber kein „Biopic“ machen, sondern eine Satire. Das wird trotz aller sich aufdrängenden Anleihen aus der Realität nicht einfach, zumal die schwerste Frage noch auf Antwort wartet: Wer spielt den Freiherrn?

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