Meinung : Scheidung im Himmel

Von Henrik Mortsiefer

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Aktionäre seien dumm und frech, höhnte einst Großbankier Carl Fürstenberg. Dumm, weil sie Aktien kaufen. Und frech, weil sie dafür noch Dividende haben wollen. Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche würde die Eigentümer des Autokonzerns so despektierlich niemals charakterisieren. Auf der Hauptversammlung ging Zetsche ausgesprochen höflich mit den rund 8000 nach Berlin gereisten Anteilseignern um. Aber dahinter steckt Kalkül: Der Automanager weiß, dass er seine aufmüpfigen Aktionäre nicht mehr mit einer Dividende ruhig stellen kann – und dass es sehr ungemütlich für ihn werden könnte, wenn er nicht bald eine Lösung für die verlustreiche US-Sparte Chrysler präsentiert.

Daimler-Chrysler steht vor einem Paradigmenwechsel. Wohin die Fahrt geht, konnte der Vorstand den Aktionären noch nicht sagen. Tatsächlich ist es für viele dumm gelaufen, die vor neun Jahren glaubten, was Zetsche und sein Vorgänger Jürgen Schrempp ihnen nach der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler versprachen: Die „Hochzeit im Himmel“ hat 30 Prozent des Börsenwertes des Konzerns vernichtet. Chrysler wurde zum milliardenschweren Verlustbringer für die erträumte Welt-AG. Die beiden Unternehmen passen nicht zusammen.

Eine „Bruchlandung auf Erden“ sei herausgekommen, kritisierte am Mittwoch ein Aktionär. Es ist nicht die erste Bruchlandung des Markenproduzenten. Edzard Reuter scheiterte mit der Konstruktion des „integrierten“ Technologiekonzerns. Schrempps Welt-AG verzettelte sich nicht nur bei Chrysler, sondern auch bei Mitsubishi und dem Smart. Die Folgen musste auch Mercedes ausbaden, Rückrufaktionen brachten die Nobelmarke in Verruf. Inzwischen sind die Probleme behoben. Das erhöht den Druck auf Zetsche, auch bei Chrysler eine Lösung zu finden. Teuer wird die so oder so. Wird die Sparte abgegeben, muss der Konzern wohl drauflegen. Bleibt Chrysler im Verbund, wird der Konzern weiter gebremst.

Größe ist im Autogeschäft keine Garantie für Erfolg. Das Beispiel Daimler-Chrysler sollte den Konstrukteuren einer anderen Welt-AG eine Warnung sein. Nicht umsonst sind VW-Patriarch Ferdinand Piëch und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gerade dabei, den Einfluss der freien Aktionäre zu verkleinern.

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