Meinung : Schill-Partei: Die zweite Chance

m.m.

Welche Anlaufstelle hat der Protest in Sachsen-Anhalt? Die PDS, indirekt an der Macht beteiligt, ist es lange nicht mehr. Vor vier Jahren haben es die Wähler mit der DVU versucht - der Magdeburger Ministerpräsident Reinhard Höppner hofft, dass ihnen das für immer eine Lehre sein wird. Kein Experimente mehr, mit dieser Parole zieht er in den Wahlkampf. Es ist auch ein Wahlkampf gegen die Schill-Partei - eine Truppe, mit der sich die Meinungsforscher schwer tun. Mal trauten sie ihr für die Wahl am 21. April zweistellige Ergebnisse zu, zuletzt aber auch nur zwei Prozent - das wäre ein harter Schlag gegen Schill nach seinem Erdrutschsieg in Hamburg. Am Wochenende hat sich die Schill-Partei in Sachsen-Anhalt aufgestellt und als Zielmarke 20 Prozent benannt. Parteigründer Schill verliert in Hamburg längst an Popularität - und preist seinen neuen Landesvorsitzenden Marseille in Magdeburg als unternehmerische Lichtgestalt. Doch es ist ungewiss, ob der in zahlreiche Prozesse verstrickte Klinikbetreiber und Multimillionär Marseille nicht einen neuen Schatten über das Bundesland werfen wird. Die Wähler zwischen Harz und Börde werden Schills halbseidenen Vertretern im Land mit sehr gemischten Gefühlen begegnen. Dass dennoch ernsthaft mit der Schill-Partei gerechnet werden muss, hat auch mit dem massiven Vertrauensverlust der SPD-Minderheitsregierung beim Wähler zu tun. Höppners Schwäche - das ist Schills zweite Chance.

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