Meinung : Schlag nach bei Newton

Berichterstattung zur Katastrophe in Japan

Vor der Laufzeitverlängerung waren alle 17 Atommeiler im Land absolut sicher - das wurde der Bevölkerung von Seiten der schwarz-gelben Regierung gebetsmühlenartig suggeriert. Überflüssig, die Sicherheitsstandards überprüfen zu lassen, Bedenken und Warnungen von Atomexperten wurden nicht beachtet.

Jetzt ordnet die Regierung Merkel ein dreimonatiges Moratorium an, denn „die Sicherheit geht vor“. Wenn das aber so ist, dann war sie vorher nicht gegeben, die Bürger wurden belogen. Oder wie lässt sich der Beschluss interpretieren?

Ich empfinde Zorn und Verachtung für dieses „Führungspersonal“, das zwei Wochen vor wichtigen Landtagswahlen so ein erbärmliches, durchsichtiges Manöver startet! Es geht nicht um den Schutz der Bürger, keine Sorge um die Bevölkerung treibt die Kanzlerin um (warum dann erst jetzt?). Wer glaubt in diesem Land noch, es könnte einen anderen Grund geben, als die Sorge um den eigenen Machterhalt? Es bleibt abzuwarten, ob und wieviele Wähler das bei ihrer Stimmabgabe bedenken.

Angelika Oden, Berlin-Schmargendorf

Bis zum Herbst vergangenen Jahres gab es einen Konsens in Deutschland, getragen von einer breiten Basis der Bevölkerung, einigen Parteien, der Wirtschaft und sogar einigen großen Stromkonzernen: den baldigen Ausstieg aus der Kernenergie mit baldiger Abschaltung der ältesten Kernkraftwerke zu realisieren. Die schwarz-gelbe Regierung hat diesen Konsens ohne erkennbare Not gekündigt. Weder gab es Engpässe in der Stromversorgung noch war absehbar, dass das Ziel, genügend Quellen erneuerbarer Energie zu erschließen, nicht erreichbar gewesen wäre. Wer das Wahlprogramm der CDU gelesen hat, der wusste, dass der Ausstieg aus dem Ausstieg ein Wahlversprechen und politischer Wille ist. Der Ausstieg aus dem Ausstieg ist also parteipolitisch.

Der Hinweis der Bundesregierung, aus Pietät gegenüber den Notleidenden in Japan auf die Debatte zu verzichten und daraus kein parteipolitisches Thema zu machen, erscheint mir nicht stichhaltig. Gerade im Hinblick auf die Gefahr für Menschen, die von der Nutzung der Kernenergie ausgeht, ist eine Diskussion um die Nutzung von Kernenergie geboten, nicht nur die Diskussion um die Sicherheit der Kernenergie.

In erschütternder Weise sehen wir, dass das Restrisiko dieser Technologie ein reales Risiko ist. Ethisch verantwortetes Handeln bedeutet, ein erkennbares Risiko für die Bevölkerung möglichst auszuschließen.

Markus Brandenburg,

Berlin-Hermsdorf

Harrisburg...Tschernobyl...Fukushima...

Wie viele Menschen müssen eigentlich noch sterben, bis gemerkt wird, dass diese Technik kaum beherrschbar ist. Zudem gibt es weltweit nirgends ein funktionierendes Entsorgungssystem. Wir müssen aus der Kernenergietechnik aussteigen und uns alle schnellstens um Alternativen kümmern.

Karl-Heinz Füllberg, Berlin-Hermsdorf

Selten und so offensichtlich selbstentzaubernd hat das Pat-und Patachon-Duo der bundesdeutschen Atompolitik seine eigene Verlogenheit den Bürgern gegenüber offenbart! Damit nicht genug. Der politische Selbstbetrug wird üblicher Weise noch durch hörige Lakaien wie Schavan, Lindner, Röttgen und Söder „katalysiert“. Wo ist die massenhaft sich empörende Jugend, die gegen die politische Kaste der Umwelt- und Lebenszerstörer vorgeht?

Dr. -Ing. E. W. Udo Küppers, Bremen

Es ist ein Irrtum zu denken, die Risiken der Atomenergie und der Genmanipulation (Gentechnik) mit ihren riesigen Schadenspotenzialen wären beherrschbar. Die Frage ist nur, nach welchen unfassbaren Schäden wir das begreifen.

Jürgen Brecht, Füssen

Wenn ich die Reaktionen der Politiker und Lobbyisten in Deutschland und der Welt höre und die Berichte über die Planungen neuer Atomkraftwerke in Großbritannien, Polen und woanders im Tagesspiegel lese, habe ich nur einen Wunsch: Ich will hier weg – gebt mir einen neuen Planeten!

Michael Szczepaniak,

Berlin-Karlshorst

Angesichts der atomaren Katastrophe in Japan gewinnt der Ausspruch des bedeutenden Physikers Werner Heisenberg leider wieder einmal an Aktualität: „Die Atomtechnik ist ein Triumph des menschlichen Verstandes, aber ein tragisches Versagen der menschlichen Vernunft.“ Möge doch die Vernunft mit der Hilfe des Verstandes siegen!

Dr. Herbert Schaffner,

Berlin-Wilmersdorf

Wenn es denn so etwas wie eine Lehre aus Tschernobyl und aus Fukushima gäbe, so wäre es für mich die folgende: Ab einem spezifischen Ausmaß, mit dem eine Katastrophe eintritt, ist jede Wahrscheinlichkeitsrechnung schlichtweg sinnlos. Da ist es schlichtweg sinnlos, das ansonsten Sinnvolle zu tun: gängig und gesellschaftsüblich zwischen Chancen und Risiken abzuwägen.

Könnte es denn nicht oft genug gesagt werden?

Das bleibt unwägbar: Jeder in Rechnung gestellte Nutzen ist zynisch, wenn das Risiko unermesslich ist.

Helmut Krüger, Potsdam

Da sitzen Frau Merkel und ihre fünf „christlichen“ Ministerpräsidenten McAllister, Seehofer, Mappus, Bouffier und Carstensen wie die Hühner auf der Stange auf der Pressekonferenz und

ziehen eine Betroffenheits-Masche ab, dass einem als Zuschauer nur noch schlecht wird. Die Herren und die Dame also, die an vorderster Front vor wenigen Monaten noch den Atomausstieg gekippt und die Laufzeiten der Akws bedenkenlos verlängert hatten –

als Erfüllungsgehilfen und zum „Gewinnmaximierungs-Wohle“ der Atomindustrie. So viel Heuchelei war selten in Deutschland.

Angela Merkel steht jedoch in Wahrheit vor dem Scherbenhaufen ihrer eigenen visions- und ziellosen Energiepolitik. Nun, da viele AKW offenbar vor dem Aus stehen, stammelt sie mit ihren Ministerpräsidenten-Kollegen hilflos in die Mikrofone und Kameras, sie wolle „die Energiewende hin zu erneuerbaren Quellen forcieren“. Diese Konzeptionslosigkeit ist ein energiepolitischer Offenbarungseid dieser Regierung und dieser Bundeskanzlerin.spreeathen (online-community)

Es sind genau die Gedanken, die mir durch den Kopf gingen, als ich die Pressekonferenz „unserer deutschen Bundeskanzlerin“ im Fernsehen sah, in der sie das Moratorium ankündigte. Auch ich fragte mich, was sich denn an der noch im September verkündeten Sicherheit unserer Atomkraftwerke durch die schlimmen Ereignisse in Japan verändert habe, das jetzt einen „Prüfstand ohne Tabus“ notwendig macht. Und ich frage mich weiter, wann denn die Menschen in unserem Land begreifen, von welch überheblichen und machtgierigen Personen wir regiert werden und wann das schnelle Vergessen und Verzeihen so schwerwiegender Lügen von Politikern, die vorgeben, nur das Beste für alle Deutschen zu wollen, endlich aufhört. Glauben die CDU/CSU-Politiker eigentlich noch selber den Unsinn und die Lügen, die sie von sich geben und für wie blöd und unbedarft halten sie die Menschen in unserem Land, für die sie behaupten, „Verantwortung“ zu tragen?

Bärbel Bonner-Spreine, Berlin-Westend

Was muss eigentlich noch passieren, bis die Bundesregierung endgültig den Ausstieg aus der Kernenergie vollzieht? Wenn die Politik, allen voran die schwarz-gelbe Bundesregierung, immer wieder darauf pocht, dass heute nicht der Tag sei, um darüber zu diskutieren, dann frage ich mich: wann wenn nicht jetzt und heute? Wir meinen immer noch, diese und andere Arten der Energieerzeugung zu beherrschen. Das haben wir nie getan und werden es auch nie. Sicherlich muss man nun den Menschen in Japan mit dem Nötigsten helfen. Gleichzeitig müssen aber auch Merkel & Co. ihre gebetsmühlenartige Wiederholung von „Kernenergie als Brückentechnologie“ endlich beenden. Ich möchte nicht auf dieser Brücke stehen, wenn sie zusammenbricht!

Robert Strauch, Berlin-Steglitz

Markus Söder meint, dass man „bei denkbaren Unfallursachen nicht nur über Wahrscheinlichkeiten, sondern von Möglichkeiten“ reden müsse. Der Mann hat Recht, und nicht nur bei „denkbaren Unfallursachen“: Dass ein Flugzeug auf ein Kernkraftwerk stürzt, oder dass mein Lotterielos gewinnt, mag denkbar unwahrscheinlich sein, möglich ist es immer. Und wenn ein Ereignis wahrscheinlich nur alle 10 000 Jahre eintritt, schließt das die Möglichkeit nicht aus, dass es morgen geschieht. Mit Murphy’s Law – „alles, was schief gehen kann, geht auch einmal schief“ – gewinnt man die weitere Einsicht, dass das Mögliche immer einmal auch Wirklichkeit wird, egal wie wahrscheinlich es ist. Zwischen der Wahrscheinlichkeitsmathematik und der Wirklichkeit gibt es tatsächlich keine rationale Beziehung. Deshalb forderte Isaac Newton schon 1674, in der Naturlehre sicher begründetes Wissen an die Stelle der allgemein verbreiteten Mutmaßungen und Wahrscheinlichkeitsaussagen zu setzen. Hätte man auf ihn gehört, so hätte es nie geschehen können, dass Naturwissenschaft im Dienst der Profitmaximierung zu einer bloßen „Machenschaft“ (Hans-Peter Dürr) anwendungsgeiler Ingenieure degenerierte, welche das Gefahrenpotenzial der immer noch nicht wirklich verstandenen Atomenergie mit dem ebenso wenig verstandenen Mittel der Wahrscheinlichkeitsrechnung zu einem vernachlässigbaren „Restrisiko“ herunterstufen.

Ed Dellian, Berlin- Zehlendorf

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