Meinung : Schlechte Manieren

ZWANGSGELD FÜR BERLINER ELTERN

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In Berlin müssen Schulbücher neuerdings von den Eltern bezahlt werden. Eine akzeptable Regelung, die Ausnahmen macht. Für bedürftige Kinder kann es die Bücher weiter kostenlos geben. Vier Wochen nach Schulbeginn zeigt die Stadt ein Gesicht, das die kostenfreie SchulbuchVersorgung gnädig überdeckt hat. Wer kostenlose Bücher will, muss nachweisen, dass die Familie Sozialhilfe oder Wohngeld bezieht. Nicht nur, das viele Eltern, die es könnten, den Nachweis einfach nicht beibringen. Es stellt sich außerdem heraus, dass tausende Eltern, die nicht Sozialhilfe-Empfänger sind, auch keine Bücher kaufen können. Die Schulbuch-Regelung ist gut und einfach, aber das Leben ist schlecht und kompliziert. In großen Städten gibt es neben der staatlich erfassten die heimliche Armut. Es gibt Trinker-Eltern und solche, die aus Unkenntnis oder Scham den Bedürftigkeits-Nachweis nicht führen. Es gibt sogar Eltern, denen ihre Kinder einfach egal sind. Jetzt will die Schulverwaltung säumige Eltern mit Zwangsgeldern an ihre Pflichten erinnern. Doch vor der Berliner Lebenswirklichkeit versagt der beste Verwaltungsakt. Die Bescheide werden vermutlich unterm Sofa landen; gestraft und gedemütigt werden einmal mehr die Kinder solcher Eltern. Es ist in Ordnung, wenn die Stadt zumutbare Lasten an die Eltern verweist, die sie selbst nicht mehr finanzieren kann. Aber es hilft nichts: Sie muss dann auch Fantasie darauf verwenden, wie Kindern geholfen werden kann, deren Eltern damit nicht umgehen können. Schule als Verwaltungsakt? Das geht nicht gut. tib

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