Meinung : „Schlechte Politik …

Matthias Krause

… wird überall gemacht.“

P aul A. Volcker, heute Chef der UN-Untersuchungskommission in Sachen Öl-für-Lebensmittel-Programm, muss es wissen, schließlich ist er schon lange im Geschäft. Bereits unter John F. Kennedy arbeitete er im US-Wirtschaftsministerium als Währungsexperte. Er diente unter Nixon, Carter und Reagan. Er war eine der treibenden Kräfte hinter der Loslösung des US-Dollars vom Goldstandard und machte sich als restriktiver Kämpfer für eine Stabilitätspolitik einen Namen. Als Präsident der Notenbank, der er von 1979 bis 1987 vorstand, verordnete er den USA eine Rosskur zur Bekämpfung der Inflation.

Die Zinsen stiegen zeitweise auf 20 Prozent, doch weder von den Protestschreien der Einzelhändler und der Verbraucher, noch von den Barrikaden der Bauarbeiter vor der Notenbank ließ Volcker sich beeindrucken. Auch nicht davon, dass seine Politik die hoch verschuldeten Entwicklungsländer weiter in den Ruin trieb. Weil der Radikalkur eine lange Phase der Prosperität folgte, feiern sie ihn in Amerika heute als den Mann, der den Drachen der Inflation besiegte.

Der Ruf des kompromisslosen Einzelgängers blieb haften. Als es darum ging, verschwundene Vermögen von Juden aus Nazideutschland bei Schweizer Banken aufzuspüren, wurde Volcker zum Chef der Untersuchungskommission benannt. Als nach den Skandalen um Enron und Worldcom der Ruf der amerikanischen Unternehmen auf dem Spiel stand, war er es, der mit seinem Einstieg der Beraterfirma Arthur Andersen ein neues Image verschaffte. Und nun durchleuchtet der 77-Jährige, der seine Ausbildung in Princeton und an der London School of Economics erhielt, die Aufklärungskommission des Öl-für-Lebensmittel-Programms der Vereinten Nationen.

Von den Ergebnissen seiner Kommission wird es abhängen, ob UN-Generalsekretär Kofi Annan im Amt bleibt oder zurücktritt – und damit auch die so dringend notwendige UN-Reform ins Stocken gerät oder gar ganz zum Erliegen kommt. Doch von solchen Überlegungen lässt sich einer wie Volcker nicht beeinflussen. Das wissen sie auch in Washington. Deshalb werden sie an seinem Urteil kaum vorbeikommen – egal, wie es ihnen in den Kram passt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar