Meinung : Schlimmer wird’s immer

Von Werner van Bebber

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Schule macht knallhart, jedenfalls in ärmeren Berliner Bezirken. Schlägereien, Bedrohungen, Körperverletzung mit Waffen gehören dort zum Alltag. Das ist keine zugespitzte Filmrealität, sondern triste Weddinger oder Neuköllner Wirklichkeit. Und seit einiger Zeit wird diese Wirklichkeit jedes Jahr härter. 1573 „Gewaltmeldungen“ im Schuljahr 2005/2006 dürften jedem zu denken geben, der seine Kinder in einem der ärmeren Berliner Bezirke auf eine öffentliche Schule schickt: ein gutes Gefühl kann man dabei nicht haben.

Gewiss, die Statistik der Delikte enthält auch „Beleidigungen“ und „Mobbing“. Wie groß die Probleme an vielen Schulen dennoch sind, zeigen drei Entwicklungen: die steigende Tendenz der Gewaltvorfälle, die vermehrten Angriffe auf Lehrer und die Brutalisierung der Grundschulen. Es wird vielen nicht ins politisch korrekte Weltbild passen, doch an den Schulen wirkt sich aus, was Polizisten, Staatsanwälte und Jugendrichter seit Jahren mitbekommen: Unter vielen Kindern und Jugendlichen nichtdeutscher Herkunft gelten Fäuste und Messer als Mittel der Wahl, um sich Respekt zu verschaffen und um Konflikte zu beenden. Die Gewalt nimmt zu, jedenfalls unter Jugendlichen aus Migrantenfamilien.

Von diesen Statistiken der Gewalt müssten längst politische Zwänge ausgehen. Auch einem türkischstämmigen Hauptschüler mit geringen Jobaussichten ist eine Schule nicht zuzumuten, in der er jeden Tag um seine Gesundheit fürchten muss. Was es für die Außenwirkung der Stadt bedeutet, wenn Berliner Schulen für Unterrichtsausfälle und Gewalterfahrung stehen – darüber sollte sich so langsam auch der Regierende Bürgermeister produktive Gedanken machen, gemeinsam mit seinem neuen, bestens beleumundeten Bildungssenator. Es gibt gute Ideen und Modellversuche, doch das ist noch zu wenig. Der grüne Schulpolitiker Özcan Mutlu hat einen naheliegenden, aber zu selten ausgesprochenen Gedanken in die Debatte gebracht: An den Schulen seien „Autoritäten der Migrantencommunity“ gefragt. Integrationsbereitschaft zeigt sich vor allem am Umgang mit den Kindern dieser Migrantencommunities.

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